GARI.info – ein zweiter Blick, drei Jahre später

4. Februar 2016

Vor drei Jahren brachten wir einen Bericht über die GARI.info-Website. Jetzt haben wir uns das Angebot erneut angeschaut, um zu sehen, was sich verändert hat. Wurden die von uns kritisierten Punkte inzwischen verbessert?

Das GARI-Projekt ist eine Initiative des Mobile Manufacturers Forum, einem internationalen Zusammenschluss von Herstellern von Telekommunikations-Equipment.

Auf der GARI.info-Website können Nutzer in fünf verschiedenen Sprachen nach Smartphones bzw. Handys, Tablets oder Apps suchen, die ihre besonderen Bedürfnisse erfüllen. Die Datenbank enthält Geräte von 2008 bis heute. Erfasst sind nicht nur Gerätemerkmale, die für sehbehinderte Nutzer wichtig sind. Auch Hörbehinderungen, motorische und kognitive Einschränkungen sind berücksichtigt. Hat das Telefon physische Tasten? Sind die Schriftgröße und die Helligkeit des Displays einstellbar? Kann ich über Sprachbefehl jemanden anrufen? Die GARI-Datenbank macht diese und viele andere Merkmale über die Grenzen von Hersteller und Betriebssystem hinweg vergleichbar.

Marktabdeckung

Zurzeit enthält die GARI-Datenbank 165 Mobiltelefone und 13 Tablets, alle in Europa erhältlich. Auf der GARI-Website sind mittlerweile alle namhaften Hersteller mit ihren aktuellen Geräten vertreten - auch Apple, ein Anbieter, der vor drei Jahren noch fehlte. Da hat sich also in der Zwischenzeit einiges getan.

Die Suchmaske

In der Suchmaske können Nutzer sich entweder die am besten geeigneten Geräte für ihre Art von Einschränkungen anzeigen lassen oder aber im Bereich Mobiltelefon-/Tablet-Suche Region, Hersteller und Modell eintragen. Hersteller lässt sich auch auf "alle" setzen. Modell kann man leer lassen, um alle Geräte zu sehen, eine Region muss jedoch gewählt werden. Für europäische Nutzer führt das häufiger zu dem Problem, dass GARI weit weniger Resultate anzeigt als für die Region Nordamerika.

Wer zum Beispiel nach Mobiltelefonen sucht, als Region Europa und als Hersteller Samsung auswählt und Modell leer lässt, kriegt als Ergebnis lediglich 6 Modelle angezeigt. Für Nordamerika sind es dagegen 147 Modelle. Aus irgendeinem Grund werden hier auch Smartwatches gelistet. Die für Europa gefundenen Geräte sind alle aktuell und werden mit ihrer gewohnten Modellbezeichnung genannt.

 

Abbildung 1: GARIs Such-Interface hat zwei Reiter, "Finde Mobiltelefone & Tablets" und "Finde Apps für Mobiltelefone". Die Mobiltelefon-/Tablet-Suche hat drei Optionen: „Beste Geräte für...“ (dann folgt eine Auswahl Beweglichkeit, Sehvermögen, Hören/Sprache und Wahrnehmung), zweitens die „Mobiltelefon-/Tablet-Suche“, bei der sich Region, Hersteller und Modell eingeben lassen, und drittens die „Detaillierte Suche nach Eigenschaften“.

Das Problem der unausgegorenen Implementation des Gerätevergleichs, das wir in unserem Bericht vor drei Jahren bemängelt hatten, besteht immer noch. Wer Sehvermögen, Mobiltelefone und als Region Europa auswählt und dann "Einige Geräte ansehen" wählt, erhält 147 Ergebnisse auf 8 Seiten in einer Rasteransicht (drei Geräte in einer Reihe). Man kann nun bis zu drei Geräte für den Vergleich auswählen. Das Problem: GARI "erinnert" nicht die bereits gemachte Auswahl, wenn man Geräte auf verschiedenen Ergebnisseiten zum Vergleich auswählen will. Dies schränkt den Wert der Vergleichsfunktion erheblich ein. Die (auch in der deutschen Fassung englische) Fehlermeldung "You did not choose at least 2 phones to compare", ist faktisch irreführend – GARI ist einfach (noch) nicht schlau genug, um über ein AJAX-Skript die Nutzerauswahlen abzuspeichern.

Apps

Die Auswahl an Apps ist mit 77 umfangreicher als vor 2 Jahren, aber insgesamt noch gering. Viele wichtige Hilfsmittel-Apps wie Prizmo oder KNFB Reader fehlen. Die Beschreibung der Apps ist häufig nur auf Englisch. Informationen zu den Apps kommen von den Entwicklern selbst.

Fazit

GARI.info ist ein vielversprechendes Informationsangebot, das Nutzern mit konkreten Anforderungen bei der Suche nach geeigneten Geräten Zeit und Mühe ersparen kann. Die GARI-Datenbank ist unseres Wissens der einzige Ort, an dem technische Gerätedetails aus den Factsheets und Websites der Hersteller auf kohärente Weise zusammengeführt werden und damit eine direkte Vergleichbarkeit gegeben ist. Die Vergleichsfunktion selbst ist allerdings bei mehrseitigen Anzeigen weiterhin nicht benutzbar. Da sollte dringend nachgebessert werden.

Im Vergleich zu unserem Bericht von vor drei Jahren hat sich inzwischen einiges getan. Es wurden mittlerweile viele neue Modelle aufgenommen und die Auswahl der Geräte für den europäischen Markt hat sich auch deutlich erhöht. Da nun die Geräte mit ihren gebräuchlichen Bezeichnungen aufgeführt sind, können sie jetzt leichter gefunden und verglichen werden.

Für blinde und sehbehinderte Nutzer fehlen aber in den Angaben zu den Apps kritische Informationen, etwa, ob die Nutzung mit eingeschaltetem Screenreader möglich ist (also z.B. Bedienelemente sinnvoll beschriftet sind). Zudem sind die Informationen ausschließlich auf Englisch. Wenn man die geringe Zahl von App-Einträgen betrachtet (zurzeit 77), kommt man nicht umhin zu schließen, dass das Angebot sich bislang nicht wirklich durchgesetzt hat und Entwickler entweder nichts von GARI wissen oder den Dienst für nicht relevant halten.

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