Screenreader

Ein Screenreader ist eine Steuerungs- bzw. Brückensoftware, die blinden Personen den Zugang zu Computern ermöglicht.

Was ist das?

Der Screenreader liest den Bildschirminhalt ein und gibt die Informationen über Braillezeile und Sprachausgabe an den blinden Nutzer aus. Screenreader interpretieren dabei die Bildschirminformation, d.h. die Bedeutung der grafischen Symbole, die aktuelle Eingabeposition und den Aufbau des gesamten Bildschirms.

In der Praxis bedeutet die Übertragung grafischer Bedienoberflächen in eine für Blinde zugängliche Form eine große Herausforderung. So müssen die Entwickler von Screenreadern mit der rasanten Entwicklung von Hard- und Software Schritt halten. Auch Mängel der Anwendungssoftware können eine optimale Anpassung verhindern. Die Folge sind Einschränkungen bei der Bedienbarkeit von Programmen und bei den von Blinden durchzuführenden Arbeitsaufgaben.

Wichtig bei der Computerarbeit mit Screenreader ist die umfassende Schulung des Anwenders. Dies betrifft sowohl die Bedienung des Hilfsmittels als auch der Programme, die genutzt werden sollen.

Externe und integrierte Screenreader

Grundsätzlich kann man zwischen zwei Arten von Screenreadern uterscheiden:

  1. Externe Programme wie JAWS, Window Eyes, COBRA oder NVDA, die auf dem PC installiert werden und dann eine Sprachausgabe und -steuerung der ansonsten genutzten Programme ermöglichen.
  2. Eingebaute (systemseitige) Screenreader, etwa VoiceOver auf Apple Desktoprechnern (Betriebssystem OSX) sowie auf Apples mobilem Betriebssystem iOS, oder TalkBack auf Googles mobilen Betriebssystem Android.

Was ist zu beachten?

Arbeitsplatzanalyse

Der Screenreader ist die wichtigste Komponente bei der Ausstattung eines Blindenarbeitsplatzes. Er beeinflusst u. U. auch die Auswahl einer Braillezeile, da nicht alle Braillezeilen mit jedem Screenreader frei kombinierbar sind.

Die erfolgreiche Einrichtung eines Blindenarbeitsplatzes hängt von zahlreichen Faktoren ab. Vor der Entscheidung für einen Screenreader sollte deshalb eine ausführliche Arbeitsplatzanalyse durchgeführt werden. Wichtige Aspekte hierbei sind:

  • das betriebliche EDV-System, Betriebssystem, Netzwerk
  • die Arbeitsaufgaben des blinden Mitarbeiters
  • die Anwendungssoftware, die hierzu benötigt wird
  • zu nutzende Funktionen der Anwendungssoftware 
  • der Datenaustausch mit Kollegen und Geschäftspartnern
  • Vorkenntnisse des blinden Anwenders in der Nutzung von Hilfsmitteln und Anwendungssoftware

Die Ergebnisse der Arbeitsplatzanalyse bilden die Grundlage, auf der Hilfsmittelfirmen ein spezifisches Angebot zur Arbeitsplatzausstattung erstellen können. Sie dient ebenfalls zur Einholung von Angeboten über Schulungsmaßnahmen.

Auswahl eines Screenreaders

Die meisten Screenreader sind auf das Betriebssystem Windows von Microsoft ausgerichtet. Die Produkte unterscheiden sich im Detail in ihrem Leistungsniveau. Dabei geht es um die Frage, wie gut die jeweilige Anwendungssoftware für den blinden Nutzer zugänglich gemacht werden kann.

Wichtig bei der Auswahl eines Screenreaders:

  • die Arbeitsaufgabe und die betriebliche EDV-Umgebung. Möglich ist, dass bestimmte Programme oder Softwarefunktionen nur von einem oder wenigen Screenreadern unterstützt werden. 
  • die vom blinden Anwender bevorzugte Bedienstrategie. Die einzelnen Screenreader nutzen sehr unterschiedliche Konzepte zur Wiedergabe der Bildschirminformationen. 
  • die zu erwartende Dienstleistung des Anbieters der Hilfsmittelausstattung. Die Qualität der Dienstleistung spielt vor allem bei der Notwendigkeit von Spezialanpassungen an betriebliche Programme eine Rolle. 

Bedienstrategien

Jeder Screenreader verfügt über eine eigene Strategie zur Wiedergabe der grafischen Bedienoberfläche. Welche Lösung leichter erlernbar ist oder effizienteres Arbeiten erlaubt, lässt sich nicht allgemein beantworten. Jeder blinde Anwender muss für sich selber ausprobieren, mit welchem Bedienkonzept er besser zurecht kommt.

Unterschiede gibt es in folgenden Punkten:

  • Das gesamte Bild oder nur das aktive Fenster wird dargestellt.
  • Die Sprachausgabe wird synchron zur Braillezeile eingesetzt oder gibt ergänzende Informationen.
  • Die Darstellung auf der Braillezeile, z.B. von Schaltflächen oder Symbolen, ist einstellbar oder nicht
  • Die Ausführlichkeit der Wiedergabe von Informationen ist mehr oder weniger einstellbar.
  • Maus-Funktionen sind mehr oder weniger vollständig und leicht ausführbar.
  • Zur Bedienung wird die PC-Tastatur, die Braillezeile oder ein besonderes Bediengerät eingesetzt.

Betriebssysteme

Mehrere Screenreader stehen für die aktuellen Betriebssysteme von Microsoft zur Auswahl. Hierbei handelt es sich vor allem um kommerzielle Produkte, aber auch um frei verfügbare Screenreader. Das Betriebssystem von Macintosh, MacOS, beinhaltet eine eigene screenreaderähnliche Funktion "Voice Over". Auch hier können Braillezeilen eingebunden werden. Für die grafische Benutzeroberfläche von Linux ist der Open-Source-Screenreader Orca frei verfügbar, weitere sind zur Zeit in Arbeit.

Zwischen freier und kommerzieller Software kann es Qualitätsunterschiede geben. Professioneller Support ist nur bei komerziellen Screen Readers gegeben, bei Open Source Screen Readers hilft die Comunity. So empfiehlt INCOBS, für den professionellen Arbeitsplatz kommerzielle Screenreader einzusetzen.

Probleme kann es beim Einsatz von Screenreadern in Terminalserver-Umgebungen geben. Hier laufen die Anwendungen auf dem Server und nicht auf den einzelnen PCs. Lösungsansätze gibt es bereits, den aktuellen Stand sollten Sie bei den einzelnen Hilfsmittelanbietern erfragen.

Anwendungssoftware

Hilfsmittelanbieter müssen für Anwendungsprogramme, die nicht einem bestimmten Standard entsprechen, eine aufwendige Anpassung erstellen. Deshalb beschränken sich die Entwickler in der Regel auf die Erschließung gängiger Programme.

Um die Arbeit am PC noch effizienter zu gestalten, bieten einige Hilfsmittelfirmen individuelle Anpassungen an. Einzelanpassungen sind häufig notwendig, wenn spezielle Software wie Datenbankprogramme, individuell entwickelte Software, betriebswirtschaftliche Standardanwendungen, Lexika auf CD-ROM etc. zum Einsatz kommen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und bei den jeweiligen Anbietern erfragbar.