Das BlindShell Smartphone im Test

15. Januar 2016

Blindshell Smartphone mit aktivierter Lupen-App

Das BlindShell ist ein reines Touch-Smartphone, verfügt also über keine haptische Tastatur. Das Smartphone basiert auf einem Samsung-Gerät, läuft unter Android und ist mit einer speziell für blinde und sehbehinderte Menschen konzipierten Oberfläche ausgestattet.

Auf der für blinde und sehbehinderte Nutzer angepassten BlindShell-Oberfläche gibt es keinen Browser und auch keine E-Mail-App. Um diese Funktionen nutzen zu können, muss auf die Android-Schnittstelle umgeschaltet werden. Es gibt zudem keine Möglichkeit, das Gerät mittels Sprache zu steuern.

Zusammenfassung

Sucht man ein Smartphone mit Touch und einem leichten Bedienkonzept, dann ist das BlindShell empfehlenswert. Zusätzlich hat es den Vorteil, dass man es auch als normales Android-Smartphone nutzen kann. Bedauerlicherweise stürzte das Gerät bei der Nutzung der virtuellen Tastatur der Android-Oberfläche ab, so dass wir den Playstore nicht nutzen konnten. Auf der BlindShell-Oberfläche wird der Playstore nicht angezeigt, schon deswegen ist das BlindShell momentan nur für Nutzer geeignet, die keine Playstore-Apps nutzen wollen.

Wie haben wir getestet?

Der Test wurde von einem erfahrenen Screenreader-Nutzer durchgeführt und das Ergebnis durch einen sehenden Experten überprüft. Die grundlegenden Funktionen und Apps wurden auf ihre Zugänglichkeit und ihre Bedienbarkeit hin untersucht.

Bedienkonzept

BlindShell- und Android-Oberfläche

Über den Touch-Bereich kann mit Tippen durch Apps und Menüs navigiert werden. Mit der haptischen Home-Taste wechselt man, wenn die entsprechende Option eingeschaltet ist, auf die normale Android-Oberfläche. Dies sollte aber, wie auch vom Hersteller empfohlen, nur mit sehender Hilfe erfolgen, da es momentan nicht möglich ist, mit durchgängiger Unterstützung durch die Sprachausgabe zwischen den beiden Oberflächen zu wechseln.

Auf der rechten Seite des BlindShell ist die physische Stand-by-Taste. Mit einem kurzen Tippen versetzt man das Telefon in den Stand-by-Modus. Drückt man länger (circa 3 Sekunden) auf die Stand-by-Taste, wird eine Hilfe eingeblendet, bei noch längerem Halten (circa 7 Sekunden) schaltet sich das BlindShell ab.

Am oberen Rand ist der Kopfhörereingang und am unteren der Micro-USB-Anschluss. Auf der Rückseite befinden sich die Kamera und der Lautsprecher.

BlindShell-Apps

Vom Startbildschirm hat man schnellen Zugriff auf die BlindShell-Apps "Anrufen" (die Telefon-Funktion), "Mitteilung" (die SMS-App), "Kontakte" sowie auf Einstellungen, Statusinformationen, das Benutzerhandbuch und Favoriten. In dem Ordner "Favoriten" lassen sich allerdings nur Kontakte abspeichern, keine Apps.

Darüber hinaus gibt es die Ordner "Weitere Programme" und "Verpasste Ereignisse". Unter "Weitere Programme" findet man Apps wie den Kalender oder die Notizen-App. Im Ordner "Verpasste Ereignisse" lassen sich entgangene Benachrichtigungen anzeigen.

Navigation über Touch-Bereiche

Das BlindShell-Navigationskonzept ist sehr spezifisch und unterscheidet sich deutlich von der sonstigen gestischen Bedienung unter Android. Die Website des Anbieters bietet verschiedene Videos, die die Bedienung des BlindShell erklären.

Der BlindShell-Bildschirm ist unterteilt in zwei großflächige Touch-Bereiche. Durch einfaches Tippen auf die Bereiche links oder rechts kann man durch die Liste der Apps oder durch Untermenüs navigieren. Mit einer langen Berührung wählt man Aktionen aus oder öffnet eine Anwendung oder ein Kontextmenü. Eine längere Berührung mit zwei Fingern bewirkt, dass von einer App zurücknavigiert wird, das Untermenü geschlossen oder eine Aktion, wie z.B. ein Termin im Kalender, gespeichert wird.

Diese einstufige gestische Bedienung unterscheidet sich also deutlich von der zweistufigen Screenreader-Bedienung bei iOS und Android (fokussieren, dann aktivieren) und ist für blinde Nutzer, die mit diesen Umgebungen gearbeitet haben, erst mal gewöhnungsbedürftig. Möglicherweise ist sie aber für blinde und sehbehinderte Nutzer ohne vorgängige Smartphone-Erfahrung leichter zu lernen und zu handhaben.

Die Navigation innerhalb der Apps und durch die Menüs wird mittels Vibration und Klicken bestätigt, erreicht man das letzte Element auf einer Seite, so ertönt zusätzlich ein Piepton.

Die virtuelle Touch-Tastatur des BlindShell wird mit zwei Fingern bedient (siehe Abb. 1). Die Tastatur ist wie bei einem Nokia-Handy aufgebaut, d.h., die Buchstaben sind in Dreiergruppen auf den Zahlen-Tasten hinterlegt. Man wählt mit einem Finger auf dem Bildschirm den ersten Buchstaben aus, und wenn man einen der anderen möchte, muss mit dem zweiten Finger solange getippt werden, bis der gewünschte Buchstabe angesagt wird. Wenn der Buchstabe geschrieben werden soll, hebt man beide Finger ab. Dies wird durch ein Klicken bestätigt.

Blindshell - virtuelle Tastatur

Abb. 1: Die virtuelle Touch-Tastatur des BlindShell

Buchstaben können über die Löschtaste rechts unten oder auch mit einer Geste gelöscht werden. Dies wird dann mit einem Piepton bestätigt. Tippt man mit zwei Fingern kurz auf den Bildschirm, liest die Sprachausgabe den Text im Eingabefeld vor.

Mit der Taste "Im Text navigieren" kann zeichen- und wortweise navigiert werden. Außerdem ist es möglich, den Cursor an den Anfang oder das Ende zu verschieben. Dazu hält man mit einem Finger die "Im-Text-navigieren"-Taste und tippt mit einem anderen Finger auf die linke oder rechte Bildschirmhälfte, je nachdem, in welche Richtung man den Cursor verschieben will.

Die Anzahl der Tipps bestimmt dabei, wie weit man sich bewegt (einmal = zeichenweise, zweimal = wortweise, dreimal = Anfang bzw. Ende). Textbereiche können nicht ausgeschnitten oder kopiert werden. Über die Raute-Taste kann zwischen Großbuchstaben- und Ziffern-Modus gewechselt werden.

Wie bei den Nokia-Handys lassen sich pro SMS nur 160 Zeichen schreiben und es gibt keine Enter-Taste.
Unter der Buchstabentastatur ist eine Reihe mit 3 Aktionstasten, wovon die rechte je nach App ihre Belegung ändert. Bei der Kalender-, Notiz- und Kontakte-App ist dort die Taste "Speichern", im Telefon oder SMS-Menü die Taste "Anrufen" beziehungsweise "Senden".

Mit der Taste "Löschen" lassen sich nach Wahl Buchstaben, Wörter oder "Alles löschen" auswählen und durch Abheben der Finger bestätigen. Wenn "Alles Löschen" gewählt wird, wird man vorher gefragt, ob der Text wirklich gelöscht werden soll.

Mit der Option "Unter den Feldern navigieren" kann zwischen Eingabefeldern gewechselt werden. Diese Taste erscheint, sobald mehrere Eingabefelder verfügbar sind, z.B. in der Wecker-App bei der Stunden- und Minuten-Eingabe oder im Kalender bei der Uhrzeit-Eingabe.

Zugänglichkeit der grundlegenden Funktionen und Menüs

Telefonfunktion

Bei Auswahl von "Nummer wählen" kann direkt eine Telefonnummer eingegeben werden. Es kann aber auch ein Eintrag aus der Kontaktliste gewählt werden. Alle weiteren Optionen bezüglich der Kontakte, wie z.B. "Kontakt versenden" oder "Klingelton auswählen", sind nur über die Kontakte-App erreichbar.

Auch die letzten Anrufe können aufgerufen werden. Über einen langen Druck auf einen der ein- oder ausgehenden Anrufe gelangt man in ein Kontextmenü, in dem eine Mitteilung an diesen Kontakt versendet werden kann.

Kontakte hinzufügen und verwalten

Kontakte können nur über die Kontakte-App hinzugefügt werden. Bei der Kontakterstellung werden 5 Eingabefelder angeboten: Vorname, Nachname, Mobiltelefon, Festnetz und Dienstlich. Darüber hinaus sind keine weiteren Eingabefelder verfügbar.

Wählt man einen Kontakt aus, werden weitere Optionen angezeigt, wie beispielsweise "anrufen", eine Mitteilung senden, bearbeiten, versenden oder zu Favoriten hinzufügen. Kontakte können auch über den Favoriten auf dem Startbildschirm aufgerufen werden. Dort stehen die gleichen Funktionen wie oben erwähnt zur Verfügung.

Zusätzlich kann man den Kontakt mit einem Klingelton personalisieren. Dieser wird durch ein langes Halten ausgewählt.

Mitteilung

In der SMS-App "Mitteilung" stehen die Optionen "Kurzmitteilung", "Mitteilung an Nummer" und "Mitteilung schreiben an mehrere Empfänger" zur Verfügung.

Unter "Kurzmitteilung" lassen sich kurze Nachrichten an Einträge der Kontaktliste verfassen. Nach Antippen des Kontakts kann die Nachricht geschrieben und dann versendet werden. Unter "Mitteilung an Nummer" gibt man die Mobilnummer des Kontakts ein und verfasst anschließend die Nachricht. Bei der Option "Mitteilung schreiben an mehrere Empfänger" wählt man über den Punkt "Kontakt hinzufügen" die Kontakte aus, welche die Nachricht erhalten sollen. Unter "Text" kann die Nachricht verfasst und gesendet werden.

Durch leichtes Berühren mit zwei Fingern liest die Sprachausgabe den geschriebenen Text vor. Zusätzlich zum Text wird von der Sprachausgabe angesagt, wie viel restliche Zeichen man noch eingeben kann.

Unter "Konversation" wird der Nachrichtenverlauf gespeichert. Es können nicht alle Nachrichten auf einmal gelöscht werden, stattdessen muss man eine Nachricht erst öffnen und dann über das Kontextmenü die Mitteilung oder die ganze Konversation entfernen.

Status-Informationen

Über die Auswahl von "Status-Informationen" lässt sich der Telefonstatus überprüfen, also Uhrzeit, Akkustand, Netzstärke, WLAN-Status und Dienstanbieter. Die Status-Informationen lassen sich auch mit der Geste "vom unteren bis zum oberen Bildschirmrand streichen" überall aufrufen.

Benutzerhandbuch

Auf dem Startbildschirm des BlindShell ist das Benutzerhandbuch zu finden. Das Handbuch ist in Hauptkategorien und dann jeweils in Unterkapitel gegliedert. Beschrieben werden die Bedienung und die Verwendung der Apps. Es fehlen allerdings Erklärungen zu den Einstellungen des BlindShell.

Wecker

Die Weckzeit lässt sich jeweils zweistellig eingeben (Stunde und Minute). Danach kann eine tägliche Wiederholung eingestellt, eine Mitteilung eingegeben oder der Weckton konfiguriert werden.

Das Klingeln des Weckers im Sperrbildschirm kann durch langes Halten mit einem Finger ausgeschaltet oder mit zwei Fingern in den Schlummer-Modus geschickt werden. Außerdem kann man durch leichtes Tippen auf den Bildschirm die aktuelle Uhrzeit erfahren.

Lese-App

In der "Lese-App" lassen sich Texte im Format "txt" oder "txd" lesen. Zur Unterhaltung sind bereits elf Klassiker, wie z.B. "Die Abenteuer des Tom Sawyer" oder mehrere Bücher von Franz Kafka, in deutscher Sprache verfügbar.
Nach einem leichten Tipp in den Touch-Bereich liest die Sprachausgabe den Text schneller oder langsamer vor. Werden zwei Finger auf den Bildschirm gelegt, wird die Lesung pausiert und mit der gleichen Geste wieder fortgesetzt. Es ist nicht möglich, zeilenweise im Text zu navigieren. Im Verzeichnis "letztes Buch" lässt sich das angefangene Buch an der aufgehörten Stelle weiterlesen. Wenn mehrere Bücher gelesen wurden, merkt sich die Lese-App auch die Stelle in den anderen Büchern.

Durch langes Tippen öffnet sich ein Kontextmenü, in dem der Leser zum nächsten Kapitel navigieren, Informationen zur Dateigröße des Buches sowie den Lesefortschritt abrufen kann.

Diktiergerät

Startet man die Aufnahme, wird dies von der Sprachausgabe bestätigt. Die Aufnahme lässt sich allerdings nicht pausieren, sondern wird nach dem Stoppen direkt abgespeichert.

Im "Aufnahmeverzeichnis" können die Aufnahmen dann erneut abgespielt werden. Beim Anhören der Aufnahme kann mit Wischen nach rechts und links navigiert werden und per Tipp mit zwei Fingern pausiert und dann weitergehört werden. Die Minutenzahl, bei der man pausiert hat, wird von der Sprachausgabe nicht angesagt. Sowohl die Aufnahme als auch die Wiedergabe laufen im Stand-by-Modus weiter. Über das Kontextmenü kann ein Titel für die Datei vergeben oder die Datei gelöscht werden.

Einstellungen

Die Einstellungen sind in mehrere Kategorien und Unterkategorien sortiert. Unter "Profile" lassen sich die Klingeltöne einstellen. Außerdem stehen die Optionen "Allgemein", "Vibration" oder "Lautlos-Modus" zur Auswahl. Ist "Allgemein" ausgewählt, klingelt und vibriert das BlindShell. Bei der Auswahl von "Vibration" vibriert das BlindShell ohne Klingelton.

Die Lautstärke für Klingel- und Signaltöne lässt sich in sieben Stufen einstellen. Unter "Signalisierung von verpassten Ereignissen" kann der Signalton für Benachrichtigungen ein- und ausgeschaltet werden.

Bei der "Rückkopplung" kann das Sound-Feedback für die Navigation eingestellt werden. Zur Auswahl stehen Töne, Töne mit Vibration oder nur Vibration. Unter "Sprachausgabe" lässt sich die Lesegeschwindigkeit sowie Datum und Uhrzeit einstellen. Ist die "Tag-Zeit-Information" aktiv, so werden Datum und Uhrzeit angesagt, wenn das BlindShell aus dem Stand-by geholt wird.

In den Tastatur-Einstellungen können das Tastatur-Echo und die Zeichenwiedergabe konfiguriert werden. Ist die Zeichenwiedergabe aktiv, spricht die Sprachausgabe den jeweiligen Buchstaben beim Löschen. Es lässt sich hier auch die Option "Ein-/Ausschalten des Schreibens durch das Tippen" aktivieren, allerdings ist nicht ganz klar, welchen Nutzen diese hat.

Die Helligkeit kann in sechs Stufen angepasst werden. Das Zeitlimit für den Bildschirmvorhang lässt sich von 15 Sekunden bis 30 Minuten konfigurieren. Der Bildschirm kann nur mit einem vierstelligen Passwort gesichert werden. Andere Sperr-Optionen, wie z.B. Streichen, sind nicht vorhanden.

In den Einstellungen unter "Anhaltezeit" lässt sich die Verzögerung für Aktionen, wie z.B. "App öffnen", einstellen. Wählbar sind die Optionen: normal, länger und am längsten.

Mit der Geste "Vom oberen Rand zum unteren Rand streichen" kann man ein Dialogfenster öffnen, in welchem man die BlindShell-Oberfläche beenden und auf die normale Android-Oberfläche wechseln kann. Standardmäßig ist TalkBack auf der normalen Android-Oberfläche deaktiviert, da es sonst auf der BlindShell-Oberfläche zu Konflikten kommt. Wenn man auf die Android-Oberfläche wechselt, kann man als blinder Nutzer ohne sehende Hilfe zunächst nicht navigieren. TalkBack muss dann erst über einen Neustart und dann mit der "Zwei-Finger-auf-den-Bildschirm-legen"-Geste gestartet werden.

Weitere systemeigene Apps

Notiz-App

Die Notizen werden im Notizverzeichnis gespeichert. Durch langes Berühren einer der Notizdateien öffnet sich ein Kontextmenü, über welches die Notizen bearbeitet, als Kurzmitteilung versendet oder gelöscht werden können.

Kalender-App

In der Kalender-App kann über den Menüpunkt "Tagesordnung" eine Liste aller Termine des aktuellen Tages eingesehen werden. Eine Liste aller Termine kann nicht aufgerufen werden. Unter dem Menüpunkt "Monat" kann durch die einzelnen Monate geblättert werden; wählt man einen Monat aus, so werden die einzelnen Wochen angezeigt. Wählt man eine Woche aus, dann kann man durch die Tage blättern.

Bei der Termin-Erstellung haben das Datum und die Uhrzeit je ihren eigenen Dialog. Die Uhrzeit für den Termin kann vierstellig hintereinander (ohne Doppelpunkt) eingegeben werden.

Eine Wiederholung für einen Termin kann einmalig, täglich, wöchentlich, monatlich oder jährlich angelegt werden. Es gibt allerdings keine Erinnerungsfunktion in der Kalender-App.

Nach der Termin-Erstellung wird das Speichern des Termins von der Sprachausgabe bestätigt. Wenn man das Smartphone aus dem Stand-by weckt, wird der Termin in Form eines verpassten Ereignisses angesagt und ist dann auch im Ordner "Verpasste Ereignisse" auf dem Startbildschirm abgelegt.

Rechner

Gleich nach dem Öffnen des Taschenrechners kann eine Rechenaufgabe eingegeben werden. Es können allerdings nur die vier Grundrechenarten genutzt werden.

Hilfsmittel-Apps

Das BlindShell hat einige Hilfsmittel-Apps für blinde und sehbehinderte Nutzer: eine Farberkennung, eine Geldscheinerkennung und eine Lupe.

Farberkennungs-App

Die grundsätzliche Farberkennung funktioniert. Allerdings ist die Genauigkeit des Ergebnisses sehr stark von den Lichtverhältnissen abhängig.

Banknotenerkennungs-App

Mit dieser App lassen sich Geldscheine erkennen. Damit der Geldschein erkannt werden kann, muss man den Schein parallel zum Telefon halten bzw. besser legen. Solange die Scheine nicht zu sehr verknittert sind, ist die Erkennung recht gut.

Solange die Erkennung läuft, hört man ein Geräusch, ähnlich einem Metalldetektor. Die App braucht beide Seiten eines Geldscheins zur korrekten Erkennung, daher fordert die Sprachausgabe nach Erkennung der ersten Seite auf, den Schein zu wenden. Wenn der Schein erkannt wurde, hört das Geräusch auf und die Banknote wird angesagt.

Lupen-App

Die Lupen-App lässt sich sehr einfach bedienen. Über einen kurzen Tipp in den rechten oder linken Bereich des Bildschirms kann man den Zoomfaktor ändern. Mit einem langen Druck mit einem Finger kann ein Standbild gemacht, in eine inverse Darstellung gewechselt sowie der Blitz an- bzw. ausgeschaltet werden.

Für die Lupe wird eine Vorrichtung aus orangem Plastik mitgeliefert, die das BlindShell auf einem gleichmäßigen Abstand hält und das Vergrößern von Texten erleichtert (siehe auch unser Eingangsbild). Diese Vorrichtung ist allerdings sperrig (da nicht zusammenlegbar) und deshalb für die Nutzung unterwegs nicht ideal.

 

Ergänzung (3. Februar 2016)

Von Stephan Merk gibt es auf YouTube das Video "BlindShell, das sprechene Handy für Blinde und Sehbehinderte".

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Kommentare

Kommentar von Stephan Merk |

Hallo, Ihre Tests finde ich immer sehr bezeichnend und beispielhaft. Weniger wegen der Authentizität, sondern der Analytik mit zumeist geringer vorhandener Kenntnis. Besonders der Begriff Experte steht hier sicherlich nicht im Zusammenhang mit einer realistischen Selbsteinschätzung.

Ich habe das BlindShell im Test, am 18.12.2015 ein YouTube-Video hochgeladen und veröffentliche am 15.02.2016 einen ausführlichen Podcast mit Bedienhinweisen. Vielleicht wäre dieser hilofreich, um die Wissenslücken und den Grundgedanken entsprechend zu verstehen und den Test an die Realität etwas anzugleichen.

Sie zäumen nämlich das Pferd von Hinten auf, beginnen mit Android und dem Play Store. Warum ein natives Samsung-Telefon mit Tastatur im Play Store ohne TalkBack abstürzt, ist für mich nicht nachvollziehbar, bei mir ließen sich Acapela-Stimmen und Verknüpfung mit dem Google-Konto problemlos und ohne einen einzigen Absturz bewerkstelligen.

Unabhängig davon ist die Zielgruppe keines Wegs ein Nutzer, der mehr will als nur telefonieren. Das sagt der Hersteller auch ganz klar und sollten Sie auch berücksichtigen, anstatt Dinge von einem Produkt einzufordern, für das es ab Werk nicht vorgesehen ist. Wer wirklich mehr möchte, wird sich für den Preis von 300 Euro ein Mittelkasse-Smartphone kaufen, auch eines von denen, die Sie fälschlicherweise als nicht bedienbar kennzeichnen. Die Vorteile gegenüber vergleichbaren Produkten, wie ALTO II, stellen Sie hingegen überhaupt nicht heraus. Sie gehen weder auf die Spezialfunktionen ein, noch sehen Sie den Punkt, dass ein sehender Nutzer beispielsweise ferngesteuert über Google das Adressbuch für den Blinden pflegen kann, was beim ALTO II nicht ginge - vor Allem aus der Entfernung.

Mein Fazit über jahrelange Beobachtung Ihrer Arbeit ist vor Allem mit dem Hintergrund als ausgewiesener Experte in verschiedenen Bereichen 25 Jahre Erfahrung mizubringen, Ihre Tests lieber nicht zu lesen, dann muss ich mich auch nich ärgern. Dass ich da bei Weitem nicht der einzige bin, zeigen interessante Diskussionen in unserer Mailingliste.

Das Problem auf den Punkt gebracht: Wunderbar aus pädagogischer und lyrischer Sicht vorgetragen, aber technischer Sachverstand fehlt. Diesen kann auch kein Optiker, Pädagoge oder erfahrener Nutzer beisteuern, hierzu braucht man Techniker, die absolute Kenntnisse von der Materie haben und sich auch in den Fokus des Herstellers hinein versetzen können.

Antwort von Detlev Fischer (INCOBS)

Sehr geehrter Herr Merk,

erstmal danke für den Kommentar. Wenn Sie uns einen Link schicken, werden wir aus unserem Artikel heraus gern auf ihr YouTube-Video und Ihren Podcast-Beitrag verweisen.

Unsere Tests nutzen die Geräte und die Expertise, die wir zur Verfügung haben. Wir haben zwei blinde Projektmitarbeiter und geben wieder, was für Erfahrungen diese bei der Nutzung gemacht haben. Unsere Erfahrung aus anderen Tests und das Wissen um standardisierte Anforderungen macht unsere Expertise aus - diese ist natürlich bei jedem Mitarbeiter anders gelagert, und es gibt immer Dinge, die wir nicht wissen oder übersehen können. Trotz gutem Willen und Sorgfalt kann es deshalb in allen Tests zu unrichtigen Aussagen kommen.

Die Kommentare sind dafür da, auf Fehler und Versäumnisse hinzuweisen. Wenn Sie konkrete Hinweise haben, wo wir Aspekte des Blindshell falsch beschrieben haben und wir das im Nachtest bestätigen können, werden wir unseren Text korrigieren. Der einzige konkrete Hinweis in ihrem Kommentar ist, dass das BlindShell bei Ihnen nicht abstürzt wie von uns beschrieben. Das kann verschiedene Ursachen haben - bei uns ist es aber so wie beschrieben passiert. Ihr Hinweis hilft aber, unsere Kritik zu relativieren.

Was die angezielte Nutzergruppe angeht, haben wir, denke ich, beschrieben, dass sich das Gerät in erster Linie an Menschen wendet, für die die BlindShell-Funktionen ausreichen und die nicht Android-Apps brauchen. Dennoch ist es für Nutzer interessant, zu wissen, dass BlindShell auf einem "ganz normalen" Smartphone aufsitzt (genau wie das Claria Vox), dass es sich also bei wachsendem Interesse und entsprechender Neugier auch als normales Android-Gerät mit TalkBack nutzen lässt. Deswegen sehen wir die Probleme beim Wechsel zwischen den Oberflächen als nicht unwichtig an.

Wir haben die im BlindShell vorgehaltenen Funktionen ziemlich ausführlich beschrieben. Wenn Sie zu Spezialfunktionen (wie die Fernwartung durch sehende Nutzer) etwas ergänzen können, sind wir dankbar. Vielleicht liefert Ihr Blogbeitrag hier gute zusätzliche Informationen.

Sie sprechen das ALTO II an. Da unsere Zeit für Tests begrenzt ist, können wir nicht immer Geräte im Vergleich testen - der Aufwand ist höher als bei Einzeltests. Wir haben jedoch zwei Geräte, die sich speziell an blinde und sehbehinderte Nutzer wenden, vor kurzem getestet (Claria Vox und KAPSYS SmartVision).

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