Barrierefreie Nachrichten mit der Lire-App

3. Dezember 2015

Lire ist ein barrierefreier RSS-Reader für iOS (€ 4,99). Wir haben Lire mit VoiceOver getestet.

Was ist RSS?

RSS steht für "Really Simple Syndication" und ist ein Dateiformat, in dem Websites Newsmeldungen oder andere Beiträge zur Verfügung stellen. Mit einem RSS-Programm kann man diese Inhalte als RSS-Feed abonnieren. Der Feed enthält die Meldung meist in Kurzform mit Datum, Schlagzeile, Textanriss und Link auf den vollständigen Beitrag. Es können aber auch vollständige Inhalte von Webangeboten als Volltext-RSS angeboten werden.

RSS unterstützende Programme können spezielle RSS-Reader wie Lire sein, aber auch gängige Browser oder E-Mail-Programme wie Microsoft Outlook. Ein Vorteil für blinde und sehbehinderte Menschen: Häufig Barrieren verursachende Inhalte wie Werbung, Videos oder dynamische Seiteninhalte fallen beim RSS-Feed weg.

Was ist das Besondere an Lire?

Das Besondere an Lire ist, dass Artikel in einer Volltext-Ansicht und nicht nur als Artikelzusammenfassung heruntergeladen werden. Es ist also nicht nötig, zum Weiterlesen den Artikel selbst über den Link in einem Browser zu öffnen. In der Volltext-Ansicht wird nur der reine Text ohne die Links der Website-Navigation und - falls das so eingestellt ist - auch ohne Bilder angezeigt. Weiterführende Links in den Artikeln bleiben in der Volltext-Ansicht erhalten und führen auf die entsprechenden Websites, die dann in einem weiteren Schritt auch in der Lire Artikelansicht angezeigt werden können.

Es gibt aber immer auch die Möglichkeit, den Artikel in der originalen, gestalteten Ansicht anzuzeigen. Dafür wird aber kein externer Browser geöffnet. Lire besitzt dafür einen eigenen In-App-Browser.

Nachdem Lire die vollen Artikel abgerufen und gespeichert hat, ist keine Internetverbindung mehr nötig.

Ein Problem: Im In-App-Browser lassen sich im Adress-Eingabefeld keine Internetadressen aus der Zwischenablage einfügen. Auch bei der Abonnement-Suche ist die Funktion "Einsetzen" nicht vorhanden. In den Texteingabefeldern von Webformularen kann Text dagegen problemlos markiert, kopiert oder eingefügt werden.

Synchronisieren mit Feedly

Es gibt zwei Möglichkeiten, den RSS-Feed zu synchronisieren. Ist „Standard“ eingestellt, fungiert Lire als eigenständiger RSS-Reader. Ist Feedly eingestellt, greift Lire auf den "Feedly-Dienst" zu. In den Einstellungen kann ein anderer Dienst wie z.B. Facebook zur Bereitstellung von RSS-Feeds konfiguriert werden.

Artikel navigieren

Lire unterstützt einige VoiceOver-Gesten für die effiziente Bedienung.

Ähnlich wie sehende Nutzer durch Nach-unten-Wischen die Feeds synchronisieren, nutzen VoiceOver-Nutzer dafür eine Dreifinger-Wischgeste.

Wer einen Artikel liest, kann durch eine horizontale Dreifinger-Wischgeste zum nächsten oder vorhergehenden Artikel springen. Ein Dreifachtippen markiert Artikel zum späteren Lesen. Besser wäre es, wenn diese Geste direkt zurückmeldet, dass der Artikel markiert wurde.

Abonnements hinzufügen

Mit einem Tippen auf "Abonnements hinzufügen" öffnet sich ein Dialog, in dem man einen Suchbegriff oder eine Internet-Adresse eingeben kann. Wahlweise lassen sich Facebook- oder Twitter-Vorschläge einblenden. Es gibt auch eine separate Möglichkeit, gezielt eine Internetadresse einzugeben und die Seite nach RSS-Feeds zu durchsuchen. Es sind bereits einige Kategorien wie z.B. Technologie, Unterhaltung, News etc. vordefiniert. Wird auf eine der Kategorien getippt, werden die zugehörigen News zu den Themen angezeigt. Durch Doppeltippen lässt sich der RSS-Feed abonnieren. Vor der Bestätigung des Abonnements lässt sich der Titel des Feeds umbenennen und ein Ordner erstellen.

Artikel organisieren

Die Artikelübersicht kann auf verschiedene Weisen angezeigt werden. Mit der Kategorie "Alle Artikel" werden alle Artikel von allen abonnierten Seiten auf einmal angezeigt. Diese Ansicht ist nicht sehr übersichtlich. Unter "Abonnements" kann man erst auf das Abonnement tippen, z.B. INCOBS, um sich neue Artikel anzuzeigen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, Abonnements in Ordner zu sortieren. Die Sortierung kann nur im Moment des Abonnierens getätigt werden. Artikel lassen sich auch durchsuchen. Wird ein Artikel gelesen, kann man den Artikel anschließend teilen.

Mit dem VoiceOver-Rotor lassen sich Abonnements beenden oder Artikel als gelesen und ungelesen markieren.

Artikel lassen sich nicht manuell entfernen. Man kann nur alle Artikel als gelesen markieren. Dann ist der Ordner des Abonnements leer. In den Einstellungen kann eingestellt werden, wann Lire die Artikel löschen soll.

Artikel offline lesen

Möchte man einen Artikel erst später oder noch einmal lesen, so kann man den Artikel markieren und unter "Markierte Artikel" erneut abrufen.

Einstellungsmöglichkeiten

In den Einstellungen unter "Barrierefreiheit/VoiceOver" lassen sich umfangreiche Optionen festlegen, welche zusätzlichen Informationen VoiceOver sprechen soll, z.B. die Uhrzeit der Veröffentlichung des Artikels, die Quelle, den Artikelstatus oder die Artikelzusammenfassung. Ist die Artikelzusammenfassung aktiviert, liest VoiceOver einen kleinen Ausschnitt des Artikels vor. Es kann auch das Laden von Bildern unterbunden werden.

Man kann auch diverse Aspekte wie Schriftart, Schriftgröße, Kontraste, Textausrichtung und 'Motiv' einstellen. Unter 'Motiv' gibt es die Einstellungen Standard, Nachtmodus (weiße Schrift auf dunklem Grund) und hoher Kontrast.

Es gibt jedoch ein Problem bei der Navigation in den Einstellungen. Hat man die ersten Optionen durchwischt, kommt man mit dem Vorwärtswischen nicht mehr weiter. Man muss dann die 4-Finger-Geste verwenden, um nach unten zur letzten Option zu gelangen und dann rückwärts zu navigieren.

Fazit

Wer gerne viel liest und seine Lieblingsseiten im Blick behalten möchte, dem kann Lire sehr empfohlen werden. Highlights sind das schnelle Abonnieren von RSS-Feeds, der In-App-Browser und die Volltext-Ansicht. Lire gibt es bisher leider nur für iOS-Nutzer zum Preis von 4,99 €. Es wäre schön, wenn auch Android-Nutzer in den Genuss dieser hervorragenden App kommen könnten.

Wir haben den Entwickler über diesen Test informiert.

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