Nutzung von Nah- und Fernverkehrs-Apps mit VoiceOver und TalkBack

10. November 2014

Screenshot der drei App-Symbole Abfahrt, DB Navigator und HVV.

Die Möglichkeit, passende Reiseverbindungen mittels Smartphone zu suchen und sich zeitnah über Verspätungen zu informieren, ist bereits alltägliche Praxis geworden. Auch der Kauf von Fahrkarten übers Smartphone wird immer beliebter.

Bisher gehört der Service "Handy-Ticket" zwar noch nicht zum Standard und funktioniert auch nicht immer reibungslos, wie jüngst eine Studie der Stiftung Warentest bestätigte (Test Fahrschein-Apps 9/2014), aber die Zahl solcher Angebote nimmt stetig zu.

Die mobile Verbindungssuche und aktuelle Meldungen über Zugverspätungen oder Fahrplanänderungen sind wichtige Funktionen, gerade auch für blinde und sehbehinderte Menschen, die Anzeigetafeln nicht nutzen können. Wir wollten wissen, wie gut sich wichtige Nah- und Fernverkehrs-Apps auf iOS und Android mit den systemseitigen Screenreadern VoiceOver (iOS) und TalkBack (Android) nutzen lassen.

Was haben wir getestet?

Die folgenden Apps haben wir untersucht:

Die App DB Navigator und die HVV-App sind sowohl für iOS als auch für Android verfügbar, die App Abfahrt dagegen nur für iOS. DB Navigator ist auch für Windows Phone verfügbar. Wir haben diese Version aber nicht mit einbezogen, da bisher die Sprachausgabe Narrator nicht in deutscher Sprache für das Betriebssystem Windows Phone 8.1 verfügbar ist.

Die Apps wurden unter iOS 8.0 und unter Android 4.4.4 mit den systemseitigen Screenreadern VoiceOver (iOS) bzw. Talkback (Android) getestet.

Die verwendeten Geräte: iPhone 5c, iPhone 4s, Nexus 4 und Motorola Moto E.

Ergänzend wurde im Expertentest auch die Eignung für sehbehinderte Nutzer zusammenfassend bewertet. Die Ergebnisse finden sich am Ende dieses Testberichts.

Wie haben wir getestet?

Die Apps wurden anhand der folgenden Aufgaben mit den systemseitigen Screenreadern getestet:

  • Verbindung suchen (je nach App Nah- oder Fernverkehr)
  • Verbindung speichern/favorisieren (wenn möglich)
  • Haltestellen in der Nähe finden
  • Nächste Verbindungen von dort anzeigen lassen
  • Verspätungs-/Hinweisalarm testen (wenn vorhanden und wenn möglich)
  • Preise anzeigen lassen (wenn möglich)

Wir haben geprüft, ob alle Bedienelemente fokussierbar sind und ausgegeben werden, ob alle Informationen auch mit Sprachausgabe übermittelt werden und ob Strukturen und Aufbau der Apps im Wesentlichen verständlich sind.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Im Test zeigte sich klar, dass die iOS-Versionen der Apps noch einen Vorsprung gegenüber den Android-Versionen haben. Der DB Navigator und auch die HVV-App sind zwar im Großen und Ganzen in beiden Betriebssystem-Varianten „baugleich“, jedoch zeigen die Android-Versionen noch deutliche Schwächen, was die durchgängige Beschriftung aller Bedienelemente angeht.

Auch bei den iOS-Apps sind Elemente öfter in Englisch beschriftet und in einigen Fällen auch unzureichend, wie beispielsweise die Sparpreis-Suche im DB Navigator - hier ist die Android-Version besser ausgezeichnet. Auch andere Optionen (z. B. Verspätungsalarm, Handy-Ticket-Kauf) sind beim DB Navigator für iOS nicht nutzbar, da die dafür notwendige Hinterlegung eines Benutzerkontos im Test nur mit sehender Hilfe gelang. Negativ ist auch aufgefallen, dass bei der iOS-Version des DB Navigator wichtige Zusatzinformationen zu Streckenänderungen und Zugausfällen nicht zugänglich waren.

Bei der HVV-App zeigte sich, dass manchmal durch die Auswahl von Anzeigevarianten (gemeint ist der Wechsel zwischen tabellarischer und grafischer Darstellung) eine Verbesserung der Bedienbarkeit erreicht werden kann. Insgesamt mangelt es jedoch sowohl der iOS- als auch der Android-Version der HVV-App an einer durchgehend schlüssigen Beschriftung bzw. Bedienbarkeit. Ein großes Manko beider Versionen ist die Darstellung der Verkehrslinien. Diese liegen visuell als Symbole vor, werden aber nicht ausgegeben.

Die App Abfahrt ist sehr gut zugänglich, bietet aber auch nicht so viele Funktionen wie die anderen Apps im Test. Sowohl der DB Navigator als auch die HVV-App bieten die Möglichkeit der Abfahrtsuche. Diese ist bei der HVV-App nicht brauchbar, beim DB Navigator hingegen ist diese Funktion auf beiden Betriebssystemen gut nutzbar.

Was die Eignung für sehbehinderte Nutzer angeht, zeigen die Ergebnisse des Expertentests insgesamt gute Kontraste beim DB Navigator uind bei der App Abfahrt, dagegen zahlreiche Mängel bei der HVV-App. Die systemseitige Textvergrößerung hat bei iOS keine Auswirkungen auf die getesteten Apps. Erfreulich: der DB Navigator bietet in der Android-Version bei der Einstellung von großem Text mit 11 Punkt deutlich größere Texte, bei der HVV-App wachsen Texte nur geringfügig.

Abfahrt (iOS)

Mit der App Abfahrt lassen sich Haltestellen in der näheren Umgebung inklusive der dort fahrenden Linien finden. Die App funktioniert für alle öffentlichen Haltstellen in Deutschland und ist zurzeit nur für das Betriebssystem iOS verfügbar. Die App ist keine Anwendung der Deutschen Bahn, nutzt aber die Daten der Bahnseite mobile.bahn.de.

Im Kopfbereich befinden sich die drei Elemente: Karte, Standort und Aktualisieren. Im Fußbereich gibt es weitere fünf Elemente, nämlich: Standort, Favoriten, Suchen, Verlauf und Einstellungen.

Haltestellensuche und Ergebnisdarstellung

Beim Öffnen der App startet diese direkt mit der Lokalisierung. Es erfolgt kein konkreter Hinweis, wenn diese beendet ist, zumeist erfolgt die Lokalisierung aber ziemlich schnell, so dass direkt auf die Ergebnisliste zugegriffen werden kann. Haltestellen können auch über Suche eingegeben werden.

Screenshot der App Abfahrt (iOS) mit Liste der Haltestellen in der Umgebung

Abb. 4 App Abfahrt (iOS): Liste der Haltestellen im Umkreis des Standortes mit dazu gehörigen Entfernungsangaben.

Nach erfolgreicher Suche bzw. Lokalisierung werden alle Haltestellen in der Umgebung aufgelistet. Zuerst gibt es die Möglichkeit der Favorisierung über eine Schaltfläche, welche recht gut mit Fügt XY zu den Favoriten hinzu, Taste bzw. Entfernt XY aus den Favoriten, Taste beschriftet ist. Danach wird die Haltestelle mit entsprechender Entfernung vorgelesen. Zu bemängeln wäre hier nur, dass nicht deutlich wird, dass sowohl Haltestelle als auch Entfernungsangabe Schaltflächen sind, um die Liniendetails aufzurufen.

Wählt man eine Haltestelle aus, werden alle Verbindungen von hier angezeigt. Die Standardeinstellung ist die Anzeige von allen Verkehrsmitteln, egal ob Bus oder Bahn. Es kann jedoch ein Filter eingestellt oder auch die Richtung gewählt werden (Auswahl der jeweiligen Endhaltestellen).

Voreingestellt ist die Listenansicht nach Abfahrtszeiten, d.h., die Linien werden sortiert nach der Dauer bis zur Abfahrt, wiedergegeben. Es ist aber auch eine Kompaktansicht möglich, dann werden die Linien zusammengefasst und mit den jeweiligen Minutenangaben (in 0, 7, 13, 20 Min.) vorgelesen.

Screenshot der App Abfahrt (iOS) mit Liste der Linien an einer Haltestelle.

Abb. 5 App Abfahrt (iOS): Liste der Verkehrslinien an der Haltestelle "Schlump" mit Angaben der Minuten bis zur Abfahrtszeit.

In der Detailansicht erscheint der genaue Fahrtverlauf der jeweiligen Linie. Dieser wird komplett mit allen Haltestellen und Uhrzeiten ausgegeben. Die einzelnen Stationen sind wiederum anwählbar, um eine Übersicht der verkehrenden Linien zu bekommen, um beispielsweise den Umstieg zu planen. Allerdings werden hier die einzelnen Stationen nicht als Schaltflächen beschrieben. Eine Datums- und Zeitauswahl ist auch möglich, die Auswahl erfolgt dann über die typischen Rollen.

Optionen

Es ist möglich, einzelne Haltestellen über den Button Favoriten abzuspeichern. Diese erscheinen dann in einer Liste, welche auch nachträglich sortiert werden kann. Dazu muss der Verschiebemodus aktiviert werden, allerdings ist nicht erkennbar, ob dieser Modus aktiv ist oder nicht - erst wenn man auf die einzelnen Einträge geht, wird dies deutlich. Ist er aktiv, lässt sich ein Eintrag innerhalb der Liste durch Ziehen versetzen.

Mit Hilfe der Schaltfläche Verlauf werden die zuletzt betrachteten Haltestellen aufgelistet. Über Suche lassen sich Haltestellen auch direkt suchen.

Fazit

Insgesamt ist die App sehr gut nutzbar. Es gibt nur wenige Funktionen - die aber alle Sinn machen. Bisher ist die App allerdings nur im Betriebssystem iOS verfügbar.

HVV (iOS)

Die HVV-App ist die offizielle App des Hamburger Verkehrsverbundes. Sie ist für iOS und Android verfügbar und bietet neben der Verbindungssuche auch eine Haltestellensuche (Abfahrtsoption) sowie die Möglichkeit des direkten Ticketkaufs (in diesem Test allerdings nicht getestet). Im Fußbereich der App-Ansicht befinden sich fünf Elemente: Verbindungen, Abfahrten, Umgebung (kartenbasiert), Tickets (nötig hierfür ist die Anmeldung für mobiticket, dem Handy-Ticket-Dienst des HVV) und Mehr (Einstellungen etc.).

Verbindungssuche

Neben der Eingabe von Start und Ziel ist die Auswahl einer bereits zuvor gesuchten Verbindung aus einer darunter befindlichen Liste möglich. Dabei steht die letzte Suche automatisch an erster Stelle in dieser Liste. Wählt man eine Verbindung mit Doppeltippen aus, startet direkt die Verbindungssuche. Auch die Favorisierung einer Verbindung ist aus dieser Liste heraus möglich. Die Taste zur Favorisierung ist allerdings englisch beschriftet und zudem mit icon star inactive nicht so gut verständlich.

Bei der Auswahl von Start wird Ab Taste vorgelesen, allerdings ist keine Funktion hinterlegt. Das Textfeld zur Eingabe der Haltestelle wird angesagt. Nutzer können hier Text eingeben oder über die Schaltfläche Eigene Position die GPS-Ortung starten. Auch ein Tausch von Start und Ziel ist möglich, die Schaltfläche hierfür ist allerdings englisch mit icon switch beschriftet.

Fängt man an, eine Haltestelle oder eine Adresse einzutippen, wird eine dynamische Liste der infrage kommenden Haltestellen eingeblendet. Wählt man die Zielhaltestelle aus dieser Liste mit einem Doppeltipp aus, startet direkt der Suchvorgang. Auch wenn man die Eingabe über Suchen auf der Tastatur bestätigt, fängt die Suche nach der jeweiligen Verbindung an. Das Beenden des Suchvorgangs wird mit einem kurzen Signalton akustisch rückgemeldet. Werden im Vorfeld keine Zeitänderungen über den Schalter jetzt vorgenommen, startet die Suche automatisch mit der aktuellen Zeit.

Screenshot der HVV-App (iOS) - Verbidnungssuche

Abb. 6 HVV App (iOS): Eingabe von Abfahrtsdatum und -zeit über die für iOS typischen Rollen.

Wählt man den Button Jetzt aus, wird ein Einstellfenster in der unteren Hälfte des Bildschirms eingeblendet. Der Fokus wechselt jedoch nicht in dieses Fenster und man erreicht dieses auch nicht mit Wisch-Bewegungen. Der Fokus muss per Touch direkt dorthin versetzt werden, dann erst ist die Eingabe der Abfahrts- bzw. Ankunftszeit über Rollen möglich – eine erhebliche Barriere für Screenreader-Nutzer.

Über Optionen lassen sich zudem viele Variablen einstellen wie: Umsteigen, Zuschlag, Fußweg, Mobilität, Zeitvorgabe, ortsfremd oder Präferenz Verkehrsmittel. Es gibt sehr viele Optionen, die eine Anpassung an die persönlichen Bedürfnisse ermöglichen (z.B. Angaben zu schwerem Gepäck).

Ergebnisdarstellung

Der abgeschlossene Ladevorgang der Ergebnisliste wird durch das Vorlesen der Überschrift deutlich. In der App lässt sich zwischen einer grafischen und einer tabellarischen Ansicht der Ergebnisverbindungen wählen. Im Folgenden werden beide Varianten beschrieben.

Tabellarische Darstellung

Bei dieser Variante sind die Linien als Symbole hinterlegt und werden nicht angesagt. Außerdem sind die beiden Tasten früher und später zur Anzeige von weiteren Verbindungen nicht korrekt beschriftet, es wird lediglich „Taste“ angesagt.

Erst in der Detailansicht werden die Linien vorgelesen. Wenn aktuelle Informationen zu den Linien vorliegen, sind diese gleichzeitig auch Schaltflächen und lassen sich über Doppeltippen öffnen. Da aber darüber keinerlei Hinweis seitens der Sprachausgabe erfolgt, bleiben diese Informationen dem blinden Nutzer verborgen.

Es gibt die Möglichkeit, über die englisch beschriftete Schaltfläche notification icon eine Hinweismeldung zu aktivieren. Weiterhin gibt es eine Schaltfläche Preis, über die man zur Anzeige der verschiedenen Fahrkarten gelangt. Hier werden im Gegensatz zur Androidversion der App auch alle Angaben, wie der zu zahlende Preis, vollständig vorgelesen.

Grafische Darstellung

Sind ergänzende Mobilitätsangebote ausgewählt, werden zunächst die Überschriften HVV beziehungsweise switchh (für mytaxi und car2go) und die Reisedauer vorgelesen, diese können aktiviert werden, um zur Verbindungsübersicht beziehungsweise zur kartenbasierten Übersicht von car2go und mytaxi zu gelangen.

In der Verbindungsübersicht erfolgt die Ergebnisaufbereitung in einer Grafik, deren Struktur nur visuell klar wird. Durchläuft man sie mit VoiceOver, ergibt die Ausgabe nicht wirklich Sinn, da diese zeilenweise erfolgt und so zwischen den verschiedenen Fahrten gesprungen wird. Zudem sind die Tasten früher und später auch hier nicht beschriftet.

Die Detailansicht einer Verbindung ist wieder identisch mit derjenigen der tabellarischen Darstellung. Wenn der Hinweis-Alarm aktiviert wurde, wird ein Hinweis 5 Minuten vor Abfahrt eingeblendet. Dieser wird komplett vorgetragen („Fahrt nach XY beginnt in 5 Minuten“) und muss über die OK-Taste bestätigt werden.

Über die Schaltfläche Preise gelangt man zu einer Übersicht aller passenden Fahrkarten mit der Angabe des Normalpreises und einer Schaltfläche Online-Preis. Wählt man diese aus, gelangt man in die Detailansicht, welche identisch ist mit der Ansicht, die man über den Button Tickets erreicht.

Screenshot der HVV-App (iOS) - grafische Darstellung

Abb. 7 HVV App (iOS): Ergebnisse der Verbindungssuche in grafischer Darstellungsvariante.

Optionen

Tickets

Geht man auf die Schaltfläche Tickets, werden die verfügbaren Fahrkarten angezeigt. Es wird jeweils der Name der Karte und eine Beschreibung vorgelesen. Wählt man eine Karte aus, werden Preis und Geltungstag angezeigt. Die Angaben zu Geltungsbereich, Starthaltestelle und Zuschlag können angepasst werden. Auch für andere Personen können über Eingabe von Vor- und Zunamen Tickets gekauft werden. Tickets können auch favorisiert werden, um auf diese Weise schneller auf sie zugreifen zu können. Für den Kauf der Fahrkarten benötigt man dann ein HVV-Login.

Abfahrtsoption

Es kann eine bestimmte Haltestelle eingetippt werden oder über die Auswahl der Schaltfläche Eigene Position aus einer Liste gewählt werden. Bei der Auswahl einer Haltestelle öffnet sich die Ergebnisliste mit den dort verkehrenden Linien. In dieser Liste werden die Linien allerdings nicht angesagt, auch sie liegen, ähnlich wie bei der Verbindungssuche, lediglich als Symbole vor. Es wird so nur die Richtung und die Zeit bis zur Abfahrt (bzw. die Uhrzeit der Abfahrt) ausgegeben. Zudem fehlt die Möglichkeit der Detailansicht bzw. der Anzeige des Fahrtverlaufs. Damit ist die Abfahrts-Option eher unbrauchbar.

Screenshot der HVV-App (iOS) - Nutzung der Abfahrtsfunktion

Abb. 8 HVV App (iOS): Abfahrtsoption, angezeigt werden die Linien an der Haltestelle "Feldstrasse" mit Minutenangbaen.

Fazit

Eine klare Empfehlung ist, die App auf jeden Fall mit der tabellarischen Ergebnisansicht zu nutzen. Einstellbar ist dies im unteren Bereich: Mehr>Einstellungen>Verbindungsoptionen: Ergebnisansicht. Im Großen und Ganzen ist die App nutzbar, allerdings macht die Nichtansage der einzelnen Linien in der Ergebnisansicht die Nutzung etwas unpraktikabel. Die Abfahrtsoption ist nicht zu empfehlen, hier liefert die App Abfahrt deutlich bessere Ergebnisse. Zum Kauf eines Mobi-Tickets benötigt man einen HVV-Account. Auch in dieser App sind einige Tasten in Englisch beschriftet.

Screenshot vom Bedienelement der Vorlesefunktion

Auf den iOS-Geräten lässt sich mit der Geste „mit zwei Fingern streichen“ auch ohne Aktivierung von VoiceOver das automatische Vorlesen des gesamten Bildschirms starten; dabei werden allerdings keine Tasten wie Suchen oder Buchen vorgelesen. Es gibt jedoch eine Fokusverfolgung (bläulicher Streifen). Diese Funktion kann für sehbehinderte Nutzer sinnvoll sein, da die Schriftgröße innerhalb der App in der Standardansicht eher klein ist.

HVV (Android)

Auch die Android-Version der HVV-App entspricht vom Aufbau her der oben besprochenen iOS-Version. Wir führen hier wichtige Unterschiede hinsichtlich der Beschriftungen und Zugänglichkeit der einzelnen Funktionen auf.

Verbindungssuche

Die Schaltfläche Eigene Position und die Schaltfläche zum Löschen der vorgenommenen Einträge sind unbenannt (ausgegeben wird hier beispielsweise Schaltfläche 90 unbenannt). Datum und Uhrzeit können schrittweise verändert oder auch direkt eingegeben werden. Dieses funktioniert auch recht gut. Wie auch bei der iOS-Variante sind unter Optionen viele Einstellmöglichkeiten wählbar.

Screenshot der HVV-App (Android) - Verbindungssuche

Abb. 11 HVV App (Android): Verbindungssuche. Unterhalb der EIngabefelder sind die letzten Verbindungs-Gesuche zu sehen.

Ergebnisdarstellung

Voreingestellt ist eine grafische Ergebnisdarstellung. Dies kann aber in den Einstellungen (über das Menü in der unteren Navigationsleiste, wo sich auch die Tasten für Startbildschirm und zurück befinden) auf eine klassische (tabellarische) Ansicht umgestellt werden. Nach Eingabe von Start und Ziel kann zwischen HVV und verschiedenen Mobilitätsangeboten (Überschrift ist jeweils switchh, für die Anwendungen mytaxi und car2go) gewählt werden, aber auch diese können, wie bei der iOS-Variante, in den Einstellungen ausgeblendet werden.

Grafische Darstellung

Sind die ergänzenden Mobilitätsangebote ausgewählt, werden zunächst die Überschriften der drei Fahrtvarianten und die Reisedauer vorgelesen, die einzelnen Angebote können aber nicht ausgewählt werden. Dann kommen drei Spalten, die nicht ausgegeben werden. Die Zuordnung ist so nicht möglich.

Ist die Option zusätzliche Mobilitätsangebote nicht ausgewählt, gelangt man, wie auch bei der iOS-Variante der App, direkt zur Verbindungsübersicht, welche in einer Art Tabelle angezeigt wird. Auch hier werden zunächst die Überschriften Fahrt 1 bis Fahrt 5 mit der jeweiligen Reisedauer ausgegeben, diese können jedoch nicht aktiviert werden. Dann werden die Linien ausgegeben, aber ohne die Abfahrts- oder Ankunftszeit. Erst bei Aufruf der Einzelverbindungen werden dann alle Angaben ausgegeben.

Ergebnisanzeige tabellarisch bzw. klassisch

In der tabellarischen Anzeigevariante werden Abfahrt und Ankunft sowie die Reisedauer vorgelesen. Die Linien, als Symbole dargestellt, werden allerdings nicht ausgegeben (auch eventuelle Hinweise zu Fußweg o.ä. werden nur als Symbol dargestellt). Die Verbindungsansicht im Detail ist identisch mit derjenigen der grafischen Ansicht.

Die Schaltfläche zum Einblenden der gewählten Optionen (zum Beispiel Umsteigezeit, nur Bus, etc.) ist nicht benannt; blendet man die Optionen ein, werden diese auch nicht ausgegeben.

Meldungen wie beispielsweise Hinweise zu Pendelbetrieb, Schienenersatzverkehr oder Baustellen werden nicht ausgegeben, obwohl visuelle Hinweise vorhanden sind. Nur die jeweilige Linie mit Richtungsangabe wird vorgelesen, nicht aber der Hinweis auf Störungen auf dieser Strecke. Es wird außerdem nicht ersichtlich, dass im Falle einer Störung über eine Schaltfläche die Anzeige näherer Hinweise zu den Änderungen der Strecke möglich wäre. Wichtige Informationen sind also nicht zugänglich.

Wählt man die Schaltfläche Preise, werden zwar alle Fahrkartenvarianten aufgezählt, allerdings mit dem regulären Preis. Der Online-Preis ist zwar visuell auf der Auswahltaste dargestellt, wird aber nicht vorgetragen. Die Detailansicht der Fahrkartenvariante ist identisch mit der Darstellung, die man über die Schaltfläche Tickets erreicht.

Screenshot der HVV-App (Android) - tabellarische Darstellung

Abb. 12 HVV App (Android): Ergebnisse der Verbindungssuche in tabellarischer (klassischer) Darstellungsvariante.

Optionen

Tickets

Die Ticket-Auswahl entspricht der der HVV-App für iOS. Nur dass es bei der Android-Version keine eigene Zurück-Taste gibt, sondern die systemseitige Zurück-Taste im unteren Bereich des Bildschirms genutzt werden muss (neben Startbildschirm und kürzlich geöffneten Apps etc.). Zum Kaufen des Fahrscheins ist natürlich auch hier ein HVV-Login nötig. Die Schaltfläche zum Aufrufen der gespeicherten Fahrkarten (Favoriten) ist unbenannt.

Abfahrtsoption

Nach Eingabe einer Haltestelle wird eine Liste mit den abfahrenden Linien angezeigt. Auch hier sind die Schaltflächen für Löschen (Haltestelle) und Eigene Position nicht benannt. In der Ergebnisliste der Linien wird hier nur die Richtung und die Uhrzeit vorgelesen, die Linie selber aber nicht - diese wird wieder nur visuell als Symbol dargestellt.

Weitere auswählbare Optionen, wie Standortsuche und Verkehrsnetzkarten, sind komplett kartenbasiert und daher nicht im Test enthalten.

Fazit

Die App weist an vielen Stellen fehlende Beschriftungen auf. Wichtige Informationen werden teilweise gar nicht ausgegeben oder sind nur mit Entdeckergeist identifizierbar.

Die Anzeige der Verbindungen kann im Menü über Einstellungen geändert werden. Dieses findet sich in der Bedienleiste mit den Schaltern zurück, Startbildschirm und kürzlich geöffnete Apps. Ganz rechts erscheint zusätzlich Einstellungen. Hier ist die Änderung der Darstellung in klassisch (bzw. tabellarisch) möglich. Die klassische Ansicht ist unbedingt zu empfehlen, da eine Nutzung mit grafischer Ansicht nicht sehr brauchbar ist. Zudem können hier auch die zusätzlichen Mobilitätsangebote (car2go, mytaxi) abgewählt werden.

Eignung für sehbehinderte Nutzer

Der Nutzertest durch einen blinden Experten wurde ergänzt durch einen stichprobenartigen Expertentest, der die Kontraste, Schriftgrößen und die Anpassbarkeit durch systemseitige Einstellungen untersuchte.

Kontraste

Die Kontraste sind beim DB Navigator insgesamt recht gut, es gibt aber einige Informationsememente mit zu geringem Kontrast (grau auf weiß). Auch viele Textfeld-Label sind mit einem Wert von 4,04:1 nicht ganz kontrastreich genug, aber immerhin gefettet.

Die Kontraste der HVV-App sind an vielen Stellen nicht ausreichend, sowohl bei Informationstext (grau auf weiß) auch bei wichtigen Bedienelementen im Kopfbereich (rosa bzw. grau auf rot). Auch die Label der Funktions-Icons im Fußberich sind nicht kontrastreich genug.

Bei der App Abfahrt sind die Textkontraste insgesamt gut, bis auf einige allerdings wichtige Elemente. So ist das Suchtextfeld Haltestelle nur über eine Texfeldvorbelegung mit schlechtem Kontrast (mittelgrau auf hellgrau) ausgezeichnet.

Textvergrößerung

Generell kranken viele Apps daran, dass sie die systemseitige Textvergrößerung des Betriebssystems nicht oder nur ungenügend unterstützen: Das Layout ist dafür in den meisten Fällen nicht flexibel genug. Das gilt auch für die untersuchten Verkehrs-Apps.

Die App DB Navigator bietet in der iOS-Version mit nur 6 Punkt für die meisten Informationsinhalte eine sehr kleine Schriftgröße. Einige Schriften, wie Label von Icons, sind mit 5 Punkten extrem klein. Die Auswahl von Größerer dynamischer Text in den Bedienungshilfen hat auf die iOS-Version keine Auswirkungen, immerhin wird aber die systemseitige Einstellung Fetter Text übernommen.

Anders bei der Android-Version von DB Navigator: hier wächst die Schriftgröße bei der Einstellung Display > Schriftgröße > Sehr groß auf erfreuliche 11 Punkt, andere Inhalte bleiben allerdings 8 Punkt klein. Das Layout wirkt nun allerdings etwas zerfasert.

Auch die HVV-App erweist sich in der Android-Version als flexibler. Während in der iOS-Version die Schrift bei systemseitiger Einstellung großer dynamischer Schrift nicht wächst, verbessert sich die Schriftgröße bei der Android-Version (bei Schriftgröße: sehr groß) deutlich: von 6 auf ca 7,5 Punkt. In der iOS-Version wird zumindest die systemseitige Einstellung Fetter Text übernommen.

Die App Abfahrt (nur iOS) hat mit 7 Punkt (fett) die beste Lesbarleit in den Standardeinstellungen. Die systemseitige Einstellung großer dynamischer Schrift vergrößert den Text nur leicht (auf ca. 7,5 Punkt), hat aber nur zur Folge, das die Informationen vertikal stark gespreizt werden.

Für die meisten sehbehinderten Nutzer wird bei allen Apps die systemseitge Schriftvergrößerung nicht ausreichen. Beide Betriebssysteme bieten natürlich auch eine systemseitige Zoomvergrößerung an, die auch recht gut funktioniert, aber die Nutzung auf kleinen Bildschirmen ist mühsam. Wer zusätzlich eine Sprachausgabe mit Fokusverfolgung braucht, ist mit den iOS-Apps besser bedient - denn Android setzt bei gleichzeitiger Nutzung von TalkBack und Vergrößerungsbewegungen (Zoom) den sichtbaren Ausshnitt nicht automatisch auf das jeweils fokussierte Element.

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