Phablets für sehbehinderte und altersweitsichtige Menschen - Details

25. Februar 2015

Getestete Phablets, Startbildschirm mit maximalem Zoom

Phablets - große Smartphones mit Bildschirm-Diagonalen zwischen 5 und 7 Zoll - sind ein wachsendes Segment im Markt der mobilen Endgeräte. Für Menschen mit Sehbehinderungen sind sie besonders interessant, da sie ein deutlich größeres Display haben als herkömmliche Smartphones. In diesem Test präsentieren wir die Details unserer Phablet-Tests, aufgeschlüsselt nach den 13 Kategorien, die für altersweitsichtige und sehbehinderte Nutzerinnen und Nutzer besonders relevant sind.

Gesamtergebnisse und Empfehlungen für die drei ausgewählten Nutzergruppen finden sich im Testbericht Phablets für sehbehinderte und altersweitsichtige Menschen - Überblick.

Für jede Kategorie zeigt eine Tabelle die erfassten Kriterien. Die gewählte Gewichtung innerhalb der Kategorie kann sich je nach Nutzergruppe unterscheiden und ist unterhalb der Kategorie für die drei definierten Nutzergruppen angegeben. Die Bewertung der Kriterien selbst erfolgt auf einer Fünf-Punkte-Skala von ++ (sehr gut) bis --- (sehr schlecht oder Kriterium nicht vorhanden).

1. Physische Eigenschaften, Haptik

Sowohl iPhone 6 plus als auch Galaxy Note 3 verfügen über eine taktile Home-Taste, was besonders für sehbehinderte Nutzer von Vorteil ist. Ein dreimaliges Drücken dieser Taste kann den Screenreader oder die Zoom-Vergrößerung einschalten - das ist für blinde Nutzer, aber auch für sehbehinderte Nutzer, die situationsabhängig die Sprachausgabe dazuschalten, sehr wichtig (bewertet wird dies im Abschnitt "Screenreader").

Die Tasten am Gerät sind taktil leichter zu finden, wenn nicht alle auf der gleichen Geräteseite angebracht sind (ein Pluspunkt für iPhone und Galaxy Note) und sich die Starttaste haptisch deutlich vom Lautstärkeregler unterscheidet. Dies ist am besten beim iPhone gelöst - die Starttaste könnte aber bei allen Geräten deutlicher zu unterscheiden sein. Die mittige Position der Starttaste beim Lumia 1320 ist ungünstig, sie führt häufiger zu versehentlichem Auslösen.

Beim Samsung Galaxy Note fiel negativ auf, dass die Navigationstasten rechts und links neben der Home-Taste (Menü und Zurück) nicht nur nicht taktil spürbar sind (das sind sie auch nicht beim Nokia- und dem ASUS-Phablet), sondern auch nicht permanent über ein Symbol gekennzeichnet sind - erst bei Berührung werden sie über die Hintergrundbeleuchtung sichtbar.

Die Displays von iPhone und Galaxy Note haben eine deutlich höhere Auflösung, das fällt aber praktisch kaum ins Gewicht und wurde deshalb auch nicht unterschiedlich bewertet. Wichtiger ist die Bildschirmhelligkeit, vor allem bei der Nutzung draußen. Den hellsten Bildschirm (bei Einstellung maximaler Helligkeit) hat das iPhone, dicht gefolgt vom Galaxy Note. Die Displays von den ASUS und Nokia Phablets sind deutlich dunkler, vor allem das ASUS Zenfone 6 fällt sehr ab.

Tabellarische Ergebnisse zu physischen Eigenschaften und Haptik
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3Asus Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Einschalttasten fühlbar und unterscheidbar
WS: 15 % / Z: 20 % / Z+SR: 20 %
+ 0 - -
Home-Button-Haptik
WS: 10 % / Z: 20 % / Z+SR: 20 %
++ ++ 0 0
Navigationstasten: Erkennbarkeit. Unterscheidbarkeit
WS: 15 % / Z: 20 % / Z+SR: 20 %
+ - 0 0
Bildschirmgröße und -auflösung
WS: 20 % / Z: 20 % / Z+SR: 20 %
+ + + +
Maximale Bildschirmhelligkeit
WS: 40 % / Z: 20 % / Z+SR: 20 %
++ ++ 0 +
Resultat weitsichtige Nutzer (WS) 88 % 76 % 51 % 61 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 85 % 70 % 50 % 55 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 85 % 70 % 50 % 55 %

2. Standard-Textgröße und Textvergrößerung

Die beste Standard-Textgröße (in den Einstellungen) hat das Lumia 1320 (13,5 Punkt), gefolgt vom Galaxy Note (11,5 Punkt). Das ASUS Zenfone 6 bringt es nur auf 9,5 Punkt und das iPhone gar nur auf 8 Punkt.

Wer systemseitig die Textvergrößerung auf die größtmögliche Stufe einstellt, kann den Text beim ASUS Zenfone auf 13 Punkt vergrößern, beim Galaxy Note auch auf 14 Punkt. Die standardmäßig bereits recht große Schrift auf dem Lumia 1320 (13,5 Punkt) wird nicht größer. Auf dem iPhone sind gerade mal 9,5 Punkt drin.

Nur das iPhone bietet eine Fettung der Schrift, die die geringe Größe etwas kompensieren kann. Dennoch schneidet das iPhone in Sachen Standard-Textgrößen für Systemeinstellungen am schlechtesten ab.

Tabellarische Ergebnisse Standard-Textgröße und Textvergrößerung
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3Asus Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Standard-Textgröße
WS: 60 % / SB: 45 % / SB-SR: 45 %
+ + + ++
Maximale Textgröße in Einstellungen
WS: 30 % / SB: 4 % / SB-SR: 45 %
- + 0 0
Gefetteter Text verfügbar
WS: 10 % / SB: 10 % / SB-SR: 10 %
+ -- -- --
Resultat Altersweitsichtige (WS) 60 % 68 % 60 % 75 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 53 % 68 % 56 % 68 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 53 % 68 % 56 % 68 %

3. Kontrastmodi

WIndows Phone ist das einzige Betriebssystem, das einen echten Kontrastmodus mit starken Schwarz-Weiß-Kontrasten anbietet. Während diese Kontrastansicht im Desktop-Betriebssystem Windows 8.1 voll konfigurierbar ist, ist das bei Windows Phone nicht der Fall.

Sowohl das iPhone als auch Samsungs Galaxy Note haben eine Farbumkehr, aber keinen echten Kontrastmodus. Eine Ansicht mit invertierten Farben ist sicher auch für viele gerade blendempfindliche Nutzer hifreich, aber ist kein vollwertiger Ersatz. Denn schlechte Kontraste bleiben auch in der Farbumkehr oder einer Graustufenansicht (eine Option auf dem iPhone) schlechte Kontraste.

Apples Betriebssystem iOS verfügt auch über Einstellungen für erhöhten Kontrast (Transparenz reduzieren, Farben abdunkeln und Weißpunkt reduzieren), die aber keine deutlich spürbaren Auswirkungen haben. Bei Samsung gibt es außerdem eine Einstellung Farbanpassung, die Farbkontraste durch das interaktive Ordnen vierzehn verschiedener Farbfelder verbessern soll. Wir wären interessiert, von Nutzern zu hören, die diese Einstellungsmöglichkeit tatsächlich hilfreich fanden - eine Frage auf der WebAIM Mailing-Liste blieb bislang ohne Reaktion.

Wenn Nutzer die Farbumkehr wählen, werden Bilder ebenso umgekehrt dargestellt, was meistens (etwa beim Nutzen von Webinhalten mit Fotos) nicht wünschenswert ist. Nur Windows Phone nimmt Bilder bei der Einstellung Kontrastmodus aus. Galaxy Note- und iPhone-Nutzer, die invertierte Farben wählen, um eine hell-auf-dunkle Textdarstellung zu bekommen, müssen mit Falschfarbenbildern leben.

Tabellarische Ergebnisse für Kontrastmodi
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3ASUS Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Einstellung für hohen Kontrast verfügbar
WS: 50 % / Z: 50 % / Z-SR: 50 %
0 -- -- ++
Farbumkehr verfügbar
WS: 15 % / Z: 30 % / Z-SR: 30 %
++ ++ ++ --
Bilder bleiben in Kontrastmodi normal
WS: 25 % / Z: 15 % / Z-SR: 15 %
-- -- -- ++
Graustufenansicht verfügbar
WS: 10 % / Z: 5 % / Z-SR: 5 %
++ -- -- --
Resultat altersweitsichtige Nutzer (WS) 50 % 15 % 15 % 75 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 60 % 30 % 30 % 65 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 60 % 30 % 30 % 65 %

4. Systemseitige Zoomvergrößerung

Die systemseitige Zoomvergrößerung ist wohl die wichtigste Funktion für sehbehinderte Phablet-Nutzer - denn meist reicht die systemseitige Textvergrößerung nicht aus, schon weil viele Elemente bei ihr nicht mitvergrößert werden. Das iPhone ist hier eine Klasse für sich, da es mehr Einstellungsmöglichkeiten bereithält.

So gibt es ein permanent sichtbares, verschiebbares Kontrollelement, das seit Betriebssystem-Version iOS 8 den Wechsel zwischen gezoomter und ungezoomter Ansicht und das Verschieben des Ausschnittes ermöglicht. Ein einfaches Antippen öffnet ein Menü mit zusätzlichen Optionen (wie invertierte Farben, Ansicht als Vollbild oder in einem Bildschirmausschnitt). Die Bedienung ist aber nicht ganz einfach. Tests mit Nutzern müssten erst einmal zeigen, ob dieses Kontrollelement wirklich praxistauglich ist. Wir haben deshalb dem Vorhandensein dieses Kontrollelements in unserem Test nur ein eher geringes Gewicht verliehen (10 %).

iOS Zoom Steuerungselement

Abb. 1: Die Zoomsteuerung auf dem iPhone kann aktiviert werden und ist dann permanent sichtbar. Sie kann zu einer beliebigen Position verschoben werden. Doppel-Tippen wechselt zwischen der Standard-Ansicht und der vergrößerten Ansicht. Einmal-Tippen zeigt ein Menü mit zusätzlichen Einstellungen wie Vergrößerung im Zoomfenster oder Filter (etwa: invertiert). Bei hineingezoomtem Zustand vergrößert Antippen und Halten das Element und Ziehen innerhalb des Kreises verschiebt den vergrößerten Ausschnitt.

Das iPhone ermöglicht als einziges Gerät die gleichzeitige komfortable Nutzung von Zoom und Screenreader. Zwar sind unter Android diese Funktionen auch gleichzeitig nutzbar, aber unverbunden. Beim iPhone dagegen führt die Änderung der Fokusposition über Wischgesten automatisch dazu, dass sich der sichtbare Ausschnitt der Vergrößerung ändert. Die aktuelle Fokusposition bleibt also immer sichtbar, ohne dass sie erst mühsam durch Verschieben des Ausschnitts gesucht werden müsste. Für Zoomvergrößerungs-Nutzer, die den Screenreader zusätzlich brauchen, ist das iPhone deshalb zur Zeit das einzige empfehlenswerte Gerät.

Diese Qualitäten der iPhone-Zoomvergrößerung sind aber nicht automatisch ein Vorteil für Zoomvergrößerungs-Nutzer, die weder den Screenreader noch das permanent sichtbare Kontrollelement brauchen. Die Aktivierung der Android Zoomfunktion ist gleichwertig oder sogar besser als beim iPhone umgesetzt. Androids Pinzetten-Geste zum Ändern des Zoomfaktors ist einfacher als die Doppeltipp-und-Zieh-Geste bei iOS und Windows Phone. Und dann gibt es unter Android noch ein Feature, das man Punkt-Zoom nennen könnte: ein Dreifach-Tippen zeigt den angetippten Bereich vergrößert, und wenn man den Finger nun bewegt, wandert der vergrößerte Ausschnitt. Beim Loslassen kehrt die unvergrößerte Ansicht zurück. Wir wissen aus Nutzertests, dass dieser Punkt-Zoom bei sehbehinderten Menschen recht beliebt ist. Auf dem iPhone gibt es nichts wirklich Vergleichbares.

Unter Windows Phone ist die Zoomvergrößerung am schlechtesten umgesetzt. Unser Prüfgerät reagierte eher träge auf die Zoomgesten. Beim Wechsel zu anderen Ansichten mit eingeschalteter Zoomvergrößerung bleibt die relative Position des vergrößerten Ausschnitts erhalten, was bedeutet, dass man häufig in einem "Meer aus Schwarz" landet und sich erstmal wieder über das Verschieben des Ausschnitts oder das Heraus- und wieder Hineinzoomen seinen Kontext suchen muss. Das ist sowohl bei iOS (Fokus auf Mitte-oben der neuen Ansicht) als auch bei Android (zurück zur ungezoomten Ansicht) deutlich besser gelöst.

Ein wesentlicher Nachteil von Windows Phone ist es, dass sich Phone Zoom und Screenreader überhaupt nicht gemeinsam nutzen lassen - sobald der Screenreader Narrator aktiviert ist, wird die Zoomfunktion automatisch deaktiviert.

Tabellarische Ergebnisse für systemseitige Zoomvergrößerung
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3Asus Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Maximaler Zoomfaktor
WS: 0 % / Z: 5 % / Z-SR: 5 %
++ + + +
Persistenz des Zooms
WS: 0 % / Z: 10 % / Z-SR: 10 %
++ + + 0
Zoom in Teilbereichen des Displays
WS: 10 % / Z: 5 % / Z-SR: 5 %
++ -- -- --
Einstellung der Einbeziehung der virtuellen Tastatur beim Zoomen
WS: 20 % / Z: 25 % / Z-SR: 25 %
++ -- -- --
Punkt-Zoom verfügbar
WS: 25 % / Z: 15 % / LV-SR: 15 %
- + + --
Bedienbarkeit der Zoomfunktion
WS: 25 % / Z: 20 % / Z-SR: 5 %
+ ++ ++ 0
Permanent sichtbares Bedienelement verfügbar
WS: 10 % / Z: 10 % / Z-SR: 5 %
++ -- -- --
Sichtbarkeit des Screenreader-Fokus
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 5 %
++ + - --
Zoom und Screenreader gleichzeitig nutzbar
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 10 %
++ ++ ++ --
Sichtbarer Ausschnitt wird durch Screenreaderfokus aktualisiert
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 10 %
+ -- -- --
Auswahl vorlesen verfügbar
WS: 10 % / Z: 10 % / Z-SR: 5 %
++ -- -- --
Resultat weitsichtige Nutzer (WS) 65 % 44 % 44 % 13 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 73 % 43 % 43 % 19 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 76 % 41 % 39 % 11 %

5. Startbildschirm

Was die Konfigurierbarkeit des Startbildschirms angeht, schlagen sowohl Android- als auch Windows-Phone-Phablets das iPhone. Android hat Widgets und ermöglicht die freie Positionierung der App-Icons, auch mit Lücken für die bessere Gruppierung. Windows Phone hat dagegen Kacheln, zum Teil mit Live-Vorschau, die bezüglich Position und Größe (Letzteres innerhalb bestimmter vorgegebener Größen) geändert werden können.

Die kontrastarme Sucheingabe auf dem iPhone ist erst über eine Wischgeste vom oberen Bildschirmrand her erreichbar. Außerdem gibt es die Spracheingabe über Siri, die auch mit angeschaltetem Screenreader VoiceOver gut funktioniert. Samsung und ASUS-Phablets haben dagegen Such-Widgets, die auf dem Startbildschirm positioniert werden können. Bei ASUS ist dieses Widget allerdings nicht mit zugänglichem Namen hinterlegt und für Screenreadernutzer nicht zugänglich. Der Windows Phone Screenreader Narrator, der alle Startbildschirmkacheln vorliest, versagt bei dem Bing-Such-Interface, das nicht mit zugänglichen Namen versehen ist. Für die Nutzung des Narrator muss die Systemsprache allerdings auf Englisch gestellt werden - eine deutsche Version gibt es noch nicht. Deswegen kommt Windows Phone in der deutschen Version dieses Testberichts schlechter weg als in der englischen.

Was die Größe der Icon-Beschriftungen angeht, könnten alle Geräte größeren Text anbieten. Android hat mit 8,5 Punkt bereits die größten Beschriftungen, Windows Phones Kachel-Beschriftungen sind nur 8 Punkt groß, und die Icon-Beschriftungen beim iPhone messen nur 7 Punkt (allerdings können sie hier systemseitig fett dargestellt werden). Der einfache Modus auf den beiden Android-Phablets kann die Situation etwas verbessern, indem er sowohl die Icon-Größen als auch die Beschriftungen auf 11,5 Punkt (Samsung) bzw. 11 Punkt (ASUS) anhebt. Die iPhone-Einstellung unter (Anzeige & Helligkeit > Anzeigen > Anzeigezoom) vergrößert die Icons etwas, lässt aber die Beschriftung auf derselben Größe.

Tabellarische Ergebnisse für Startbildschirm
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3ASUS Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Startbildschirm-Konfigurierbarkeit
WS: 25 % / Z: 25 % / Z-SR: 20 %
0 + + ++
Einfacher Modus für Startbildschirm verfügbar
WS: 20 % / Z: 20 % / Z-SR: 10 %
- + + --
Startbildschirm Icon- und Beschriftungs-Größe (bei max. systemseitiger Textgröße)
LS: 40 % / LV: 40 % / LV-SR: 30 %
0 0 0 0
Startbildschirm-Icons und Widgets zugänglich beschriftet
LS: 0 % / LV: 0 % / LV-SR: 20 %
+ -- -- --
Startbildschirm-Suchfunktion
LS: 15 % / LV: 15 % / LV-SR: 20 %
0 + -- -
Resultat weitsichtige Nutzer (WS) 45 % 65 % 54 % 49 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 45 % 65 % 54 % 49 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 58 % 68 % 53 % 40 %

6. Tastenfeld Telefon

Das Tastenfeld der Telefonfunktion ist sicher nicht das herausragende Feature eines modernen Smartphones, aber es sollte dennoch gute Kontraste und Schrift- bzw. Zahlengrößen haben. Während alle Tastenfelder zugänglich beschriftet sind  (abgesehen von einigen Aussetzern beim ASUS Zenfone 6), bietet das iPhone die für sehbehinderte Nutzer schlechteste visuelle Umsetzung. Die den Zahlen zugeordneten Buchstaben sind winzig, die Bedienelemente sind nicht kontrastreich genug. Samsungs Tastenfeld bietet visuell die beste Umsetzung.

Tabellarische Ergebnisse für das Tastenfeld
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3ASUS Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Visuelle Eigenschaften des Tastenfeldes
LS: 100 % / LV: 100 % / LV-SR: 60 %
0 ++ + +
Zugängliche Beschriftung
LS: 0 % / LV: 0 % / LV-SR: 40 %
++ ++ + ++
Resultat weitsichtige Nutzer (WS) 50 % 100 % 75 % 75 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 50 % 100 % 75 % 75 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 30 % 60 % 45 % 45 %

7. Virtuelle Tastatur

Die virtuelle Tastatur ist für den aktiven Gebrauch eines Smartphones wichtig. Zu allen getesteten Geräten lässt sich anmerken, dass die Buchstaben auf den virtuellen Tasten größer sein könnten (zumindest als optionale Systemeinstellung). Das fällt besonders bei der Windows-Phone-Tastatur ins Auge, die nur Kleinbuchstaben in der Größe 9,5 Punkt zeigt.

Visuell ist die ASUS-Tastatur am besten: sie hat große deutlich abgesetzte Tasten mit 12 Punkt großen, halbfetten Kleinbuchstaben. Auch Wortvorschläge haben guten Kontrast. Die Samsung Galaxy-Note-Tastatur hat kleinere Tasten mit etwas größeren Kleinbuchstaben (13 Punkt fett) und einem Weiß-auf-Dunkelgrau-Farbschema, das etwas weniger kontrastreich ist als beim ASUS-Phablet. Die Großbuchstaben auf den Tasten des iPhone 6 plus sind viel kleiner (10 Punkt fett), Wortvorschläge und besondere Tasten wie die Umschalttaste und die Löschtaste haben schlechte Kontraste. Die Tasten auf der Tastatur des Lumia 1320 sind groß, aber nicht so gut abgesetzt wie beim ASUS Zenfone. Und die Kleinbuchstaben sind einfach zu klein - auf den Tasten gäbe es viel Platz für eine größere Schrift.

Virtuelle Tastaturen

Abb. 2: Die virtuellen Tastaturen im Vergleich. Von links nach rechts: ASUS Zenfone 6, Samsung Galaxy Note 3, Apple iPhone 6 plus und Nokia Lumia 1320 (Bild aktivieren bzw. anklicken für eine vergrößerte Ansicht).

Wenn der Android-Screenreader TalkBack eingeschaltet ist, lassen sich auf dem Samsung Galaxy Note 3 die Tasten über Berührungserkundung ausgeben und dann nur über Doppel-Tippen aktivieren (geteiltes Tippen funktioniert nicht). Dies weicht vom üblichen TalkBack-Eingabemodus ab, mittels Abheben des Fingers zu schreiben, was zumindest bei geübten Nutzern wesentlich schneller geht. Das iPhone bietet bei aktiviertem Screenreader hier die Wahl zwischen verschiedenen Eingabemodi: das Zwei-Finger-System (schreiben über Doppel-Tippen oder geteiltes Tippen), das Zehn-Finger-System (Schreiben beim Abheben des Fingers, wie bei Vanilla Android) und drittens, der neu hinzugekommene Modus Direkte Berührung (Eingabe), der bei Berührung sofort schreibt und eventuell für Nutzer brauchbar ist, die visuell die richtige Fingerposition bestimmen können.

Wir fanden ein schwerwiegendes Problem der ASUS-Skin ZenUI: Die virtuelle Tastatur übergibt keinen Output an den Screenreader. Getippte Buchstaben werden zwar nach dem Tippen gesprochen, aber nicht beim Berühren, also wenn sie initial ausgewählt werden. Dieser Fehler macht das ASUS Zenfone ziemlich unbrauchbar für jeden, der zusätzlich den Screenreader nutzen möchte (und komplett unbrauchbar für blinde Nutzer). Eventuell gibt es andere Android-Tastaturen, die sich installieren ließen und diesen Defekt beheben würden, aber das lag nicht im Bereich unseres Tests. Das Samsung Phablet oder eines mit "Vanilla Android" (etwa das Nexus 6) ist für sehbehinderte Nutzer, die einen Screenreader nutzen wollen, empfehlenswerter.

Tabellarische Ergebnisse: Virtuelle Tastatur
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3Asus Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Tastengröße, Tastentextgröße und Kontrast der virtuellen Tastatur
WS: 90 % / LV: 90 % / LV-SR: 60 %
0 ++ + +
Größe und Darstellung der Eingabevorschläge
WS: 10 % / Z: 10 % / Z-SR: 5 %
++ ++ + ++
Eingabevorschläge Screenreader-zugänglich
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 5 %
++ ++ + ++
Screenreader-Zugänglichkeit der virtuellen Tastatur
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 30 %
++ ++ + ++
Resultat weitsichtige Nutzer (WS) 48 % 75 % 78 % 28 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 48 % 75 % 78 % 28 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 71 % 51 % 43 % 20 %

8. Standard-E-Mail-App

Im Vergleich der Standard-E-Mail-Apps zeigt sich eine Stärke von Windows Phone: hier gibt es die besten Standard-Textgrößen und den besten Kontrast. Die App übernimmt systemseitige Textgrößen-Einstellungen und Elemente werden gleichmäßiger groß als bei der Konkurrenz.

Die Samsung Mail-App lässt auch großen Text zu und hat eine app-seitige Textgrößen-Einstellung mit der Schriftgröße "sehr groß", welche den E-Mail-Text in großen 31 Punkt anzeigt. Die Bedienelemente (Antworten, Weiterleiten, usw.) sind in der ASUS E-Mail-App am klarsten, aber hier wird der Mail-Text im Querformat bei größtmöglicher systemseitig eingestellter Schriftgröße abgeschnitten, ohne umzubrechen. Auf dem iPhone kann der Text in der Ansicht Neue E-Mail sehr groß sein, dass auch hier die systemseitige Schriftgrößen-Einstellung übernommen wird, aber andere Elemente wie die Inhalte in den Empfänger-, Kopie- oder Betreff-Textfeldern bleiben sehr klein. Die textuellen Bedienelemente im Pop-up-Dialog zur Auswahl und zum Einfügen von Anhängen haben gar lediglich eine Größe von 6 Punkt.

Für viele sehbehinderte Nutzer wird die größte Systemtextgröße nicht ausreichen, aber hier lässt sich bei den Android-Phablets und dem Lumia die Textgröße über die Spreiz-Geste vergrößern. Ein großer Nachteil beim iPhone ist, dass der Mail-Text bei der Nutzung der Spreiz-Geste zwar vergrößert wird, aber nicht neu umbricht.

Die ASUS Mail-App bietet keine zugänglich beschrifteten Bedienelemente für Screenreader-Nutzer. Ein weiterer Beleg dafür, das Nutzer, die auch den Screenreader brauchen, um das Zenfone einen weiten Bogen machen sollten.

Tabellarische Ergebnisse für Standard E-Mail-Apps
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3Asus Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Inbox: Maximale system- oder app-seitige Textvergrößerung
WS: 10 % / Z: 10 % / Z-SR: 10 %
+ 0 + ++
Inbox: Standard-Textgröße
WS: 20 % / Z: 20 % / Z-SR: 20 %
0 - ++ ++
Bedienelemente (antworten, neue E-Mail)
WS: 10 % / Z: 10 % / Z-SR: 10 %
- 0 + 0
Einzelne E-Mail: Größte Textgröße
WS: 20 % / Z: 20 % / Z-SR: 10 %
+ ++ - 0
Einzelne E-Mail: Größte Textgröße im Querformat
WS: 10 % / Z: 10 % / Z-SR: 10 %
+ + -- +
Einzelne E-Mail: Vergrößerbarkeit im Querformat
WS: 10 % / Z: 10 % / Z-SR: 10 %
- ++ ++ ++
E-Mail verfassen (bei größter systemseitiger Schriftgrößen-Einstellung)
WS: 20 % / Z: 20 % / Z-SR: 15 %
0 + + +
Screenreader-Zugänglichkeit der Bedienelemente
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 15 %
++ ++ -- -
Resultat weitsichtige Nutzer (WS) 55 % 68 % 65 % 78 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 55 % 68 % 65 % 78 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (LV-SR) 60 % 69 % 59 % 69 %

9. Standard-Kalender

Was die Kalender-Apps angeht, hat das ASUS Zenfone 6 insgesamt das beste visuelle Interface hinsichtlich Textgrößen und Kontrast. Dies wird aber beeinträchtigt durch die Ansicht zur Einstellung der Termin-Zeit, ein kreisförmiges Bedienelement, das sich auch in der Vanilla Android Kalender-App findet und das wegen schlechter Kontraste und winziger Schrift schwer benutzbar ist. Der Samsung Kalender ist darum für visuelle Nutzung insgesamt besser, auch wenn er selbst einige Schwächen hat. Der Windows Phone Kalender hat gute Kontraste, aber winzige Datumsziffern in der Monatsansicht (7,5 Punkt klein) und kleine Beschriftungen, Platzhaltertexte und Inhaltstexte, sobald ein neuer Eintrag angelegt wird.

Auch beim iPhone Kalender sind Bedienelemente und Beschriftungen recht klein und es gibt Mängel bei den Kontrasten.

Sowohl der ASUS Kalender als auch der Windows Phone Kalender sind nicht mit dem Screenreader zu gebrauchen - die zugängliche Benennung von Bedienelementen ist unvollständig. In dieser Hinsicht bietet der iPhone Kalender die beste Unterstützung für sehbehinderte Nutzer, die auch den Screenreader brauchen - alle Elemente sind vollständig benannt. Beim Samsung Kalender ist die Auszeichnung lückenhaft: die Nutzung mit Screenreader ist zwar möglich, aber sehr umständlich.

Tabellarische Ergebnisse für Standard-Kalender
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3ASUS Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Monatsansicht (Standard) bei größter systemseitiger Textgröße
WS: 30 % / Z: 30 % / Z-SR: 20 %
- 0 + 0
Neuer Termin bei größter systemseitiger Textgröße
WS: 50 % / Z: 50 % / Z-SR: 30 %
- 0 + --
Neuer Termin, Uhrzeit bei größter systemseitiger Textgröße
WS: 20 % / Z: 20 % / Z-SR: 20 %
0 + - 0
Screenreader-Zugänglichkeit der Bedienelemente
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 30 %
++ 0 -- --
Resultat weitsichtige Nutzer (WS) 31 % 63 % 56 % 28 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 31 % 63 % 56 % 28 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 53 % 60 % 38 % 20 %

10. Standard-Browser

Der Browser ist vielleicht die wichtigste App auf einem Smartphone, ist er doch ein Fenster zum Web und die Umgebung, in der zahllose Web-Apps laufen. In unserem Test haben wir uns auf den vorinstallierten Standard-Browser konzentriert. Wollte man andere Browser berücksichtigen, käme man hier zu abweichenden Ergebnissen. Chrome ist eine oft genutzte Alternative zu den Standard-Browsern, verfügbar sowohl unter Android als auch iOS.

Wenn es nach den ausgewählten Kriterien geht, schlagen der Samsung- und der ASUS-Browser die Konkurrenz. Beide Android-Browser verfügen über Einstellmöglichkeiten für die Textgröße und Kontrastmodi, die bei Safari (iPhone 6) und Internet Explorer (Lumia 1320) fehlen.

Was die Vergrößerbarkeit von Texten im Browser angeht, bietet nur der ASUS-Browser einen dynamischen Textumbruch beim Hineinzoomen mittels Spreizgeste. Andere, hier nicht getestete Android-Browser, wie z.B. Dolphin, können das ebenfalls.

Der Reader-Modus ist ein wichtiges Feature für sehbehinderte Nutzer: unnötige Inhalte werden ausgeblendet und der Inhaltstext der Seite kann vergrößert werden. Die Browser-Reader auf dem iPhone, dem Galaxy Note und dem Zenfone sind recht gut und erlauben es Nutzern, den Text über die Spreizgeste oder (im Fall von iOS) über Bedienelemente zu vergrößern. Der Internet Explorer enttäuscht hier mit einem Reader, der eine Maximalschriftgröße von lediglich 10 Punkt (Serifenschrift) bietet. Wer denkt, dass die Spreizgeste Abhilfe schaffen sollte, sieht sich enttäuscht: sie vergrößert zwar, aber es gibt dabei keinen dynamischen Umbruch, was die Nutzung des Readers mit größeren Textgrößen nicht praktikabel macht. Samsungs Browser bietet in seiner Reader-Ansicht einen Nacht-Modus mit Farbumkehr, welcher die Bilder nicht umkehrt. Die Reader-Ansicht ist aber nicht auf allen Webseiten verfügbar - der Grund dafür war für uns nicht zu ermitteln.

Die Browser im Test bieten bis auf den IE beim Doppel-Tippen-und-Halten einen vergrößerten Textausschnitt, die Schrift bleibt aber ziemlich klein.

IE hat (bei englischer Systemsprache) eine recht gute Screenreader-Unterstützung, vor allem, wenn man bedenkt, dass Safari mit VoiceOver seit iOS 8 fehlerbehaftet ist und zu Abstürzen führt (vergleiche den Artikel von Marco Zehe: Apple are losing their edge also in accessibility quality). Die Nutzung des Samsung-Browsers mit TalkBack schien relativ stabil, nicht jedoch die des ASUS Standard-Browsers.

Da es für Windows Phone zur Zeit keinen deutschsprachigen Screenreader gibt, fallen alle diesbezüglichen Ergebnisse für den Internet Explorer negativ aus. (Die englischsprachige Version dieses Artikels berücksichtigt dagegen den Narrator und zeigt demnach für das Lumia 1320 ein besseres Ergebnis.)

Tabellarische Ergebnisse der Standard-Browser
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3ASUS Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Reader-Modus
WS: 40 % / Z: 40 % / Z-SR: 30 %
+ + ++ -
Spreizgeste zum Zoomen (Textumbruch)
WS: 2 % / LV: 3 % / Z-SR: 2,5 %
0 0 ++ 0
Vergrößerter Textausschnitt
WS: 10 % / Z: 5 % / Z-SR: 5 %
0 0 0 --
Browser-seitige Kontrastmodi (schwarz-weiß, invertiert)
WS: 5 % / Z: 5 % / Z-SR: 5 %
0 + + -
Bilddarstellung bei invertierten Farben
WS: 5 % / Z: 5 % / Z-SR: 5 %
0 ++ 0 ++
Browserseitige Textgrößeneinstellungen
WS: 20 % / Z: 15 % / Z-SR: 5 %
-- + + --
Screenreader-Zugänglichkeit der Bedienelemente
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 5 %
++ ++ - --
Screenreader liest Inhalte
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 5 %
++ ++ 0 --
Screenreader hebt fokussierte Inhalte hervor
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 5 %
++ ++ + --
Robustheit bei Nutzung mit Screenreader
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 10 %
-- 0 -- --
Resultat weitsichtige Nutzer (WS) 50 % 69 % 86 % 26 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 53 % 68 % 90 % 31 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 58 % 70 % 75 % 26 %

11. Spracheingabe

Was die Spracheingabe angeht, sind die Resultate eindeutig: das iPhone überzeugt hier am meisten. Alle Phablet, bis auf das Nokia Lumia 1320, bieten die Möglichkeit einer längeren, kontinuierlichen Spracheingabe. Das Nokia-Phablet bricht nach etwa 10 bis 12 Sekunden einfach ab, was bedeutet, dass längere Eingaben stückweise erfolgen müsssen. Das ist ärgerlich. Die Situation mag auf leistungsfähigeren Endgeräten mit Windows Phone anders aussehen.

Was die Qualität der Spracherkennung angeht, führt das iPhone klar. Die Android-Geräte irren sich häufiger ("...sich den..." wurde sowohl vom ASUS- wie auch vom Samsung-Phablet wiederholt als "sechzehn" verstanden). Das iPhone kommt auch am besten mit Groß- und Kleinschreibung zurecht. Das ist nur ein Detail, aber es bedeutet deutlich weniger nachträgliche Eingriffe, wenn ein eingesprochener Text genutzt werden soll. Die Windows Phone Software ist nicht in der Lage, Zeichensetzungs-Angaben zu interpretieren - es schreibt einfach "Komma" und "Punkt".

Tabellarische Resultate für Spracheingabe
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3Asus Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Kontinuierliche Spracheingabe möglich
WS: 40 % / Z: 40 % / Z-SR: 40 %
++ ++ ++ -
Qualität der Spracherkennung
WS: 50 % / Z: 50 % / Z-SR: 50 %
++ + + +
Zeichensetzung und Großschreibung
WS: 10 % / Z: 10 % / Z-SR: 10 %
++ 0 0 --
Resultat weitsichtige Nutzer (WS) 100 % 83 % 83 % 43 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 100 % 83 % 83 % 43 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 100 % 83 % 83 % 43 %

12. Screenreader

In diesem Test zählt der Screenreader nur in der Gruppe der Zoomvergrößerungs-Nutzer, die ihn gegebenenfalls zusätzlich einschalten. Unsere Bewertung des Screenreaders selbst erfolgt in diesem auf sehbehinderte Nutzer ausgerichteten Test nur pauschal und differenziert nicht hinsichtlich gestischem Input, Optionen der Steuerung, Einstellmöglichkeiten für die Ausgabe, Hilfstönen, usw.

Wenn man die Qualität der Screenreader insgesamt beurteilt, ist VoiceOver deutlich der ausgereifteste Screenreader (beachte aber die Probleme bei der Nutzung von Safari, siehe Abschnitt Standard-Browser).

Ein sehr wichtiger Aspekt in dieser Kategorie ist die Frage, ob ein Screenreader über eine Hardware-Tastenkombination ein- und ausgeschaltet werden kann. Dies ist besonders wichtig, wenn der Screenreader bedarfsweise dazugeschaltet werden soll. Sowohl Apple als auch Samsung bieten die Aktivierung/Deaktivierung über den dreifachen Druck auf die Home-Taste. (Dieser dreifache Druck kann auch so belegt werden, dass die Zoomfunktion gestartet wird.)

Das ASUS-Phablet hat eine eher umständliche Aktivierungsfunktion über den Druck auf den (hier nicht haptischen) Home-Button, während zwei Finger auf dem Bildschirm liegen, bis die TalkBack-Stimme zur Bestätigung der Aktivierung auffordert. Das Abschalten von TalkBack funktioniert dann nur über die Einstellungen. Das ist nicht wirklich praktikabel.

Das Lumia-Phablet hat in der deutsachen Spracheinstellung keinen Screenreader, deshalb schneidet das Gerät hier schlecht ab. In der englischen Version dieses Artikels haben wir dagegen den Narrator berücksichtigt, dort sind deshalb die Ergebnisse in mehreren Kategorien und damit auch das Gesamtergebnis besser.

Der dokumentierte Befehl zum Einschalten des Narrators (Halte die Lautstärke-rauf-Taste und drücke dann die Start-Taste) funktionierte nicht in unserem Test (wohlgemerkt verlangt die Nutzung des Narrators die Einstellung der englischen Systemsprache).

Tabellarische Ergebnisse für Screenreader
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3ASUS Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Physische Taste zum Aktivieren des Screenreaders / der Zoomfunktion
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 40 %
++ ++ 0 --
Qualität des Screenreaders
WS: 0 % / Z: 0 % / Z-SR: 60 %
++ + + --
Resultat weitsichtige Nutzer (WS) 100 % 100 % 100 % 0 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 100 % 100 % 100 % 0 %
Resultat Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 100 % 70 % 50 % 0 %

13. Bildschirm-vorlesen-Funktion

Bei Apple gibt es seit iOS 8 eine Bildschirm-vorlesen-Funktion in den Bedienungshilfen: Bildschirminhalt sprechen. Diese Funktion unterscheidet sich vom Screenreader: Sie liest einfach den Inhalt der Seite vor und bietet damit angestrengten Augen eine Ruhepause. Während des Lesens durchläuft der Fokus den Text, so dass man bei Bedarf weiß, wo man ist oder auch visuell mitlesen kann. In einer visuellen Steuerungsleiste kann man das Sprechtempo variieren oder das Sprechen pausieren bzw. fortsetzen. Man kann auch den Punkt bestimmen, vom dem aus vorgelesen werden soll.

Apples Bildschirm-Sprechen-Funktion

Abb.3: Die Bildschirminhalt-sprechen-Funktion lässt sich, wenn sie aktiviert ist, durch das Streichen mit zwei Fingern vom oberen Bildschirmrand her aufrufen. Schildkröte und Hase verlangsamen bzw. beschleunigen das Sprechtempo. Wahlweise lässt sich der gerade gesprochene Text fortlaufend hervorheben (hier das Wort Griechen-Streit). Nach kurzer Zeit wird die Funktionsleiste zum Pfeil links oben minimiert, damit sie nicht den Bildschirminhalt abdeckt; wenn man den Pfeil antippt, wird sie wieder angezeigt.

Im Unterschied zu einem echten Screenreader wie VoiceOver, TalkBack oder Narrator ändert eine Bildschirm-vorlesen-Funktion nicht den normalen gestischen Interaktionsmodus. Für nichtvisuelle Eingaben ist die Funktion nicht gedacht, hierfür braucht es den Screenreader. Die Funktion gibt es zur Zeit nur bei iOS.

Ein Problem besteht allerdings darin, dass bei aktivierter Bildschirminhlat-Sprechen-Funktion die Geste zum Aufrufen der Suche nicht mehr funktioniert (vom oberen Rand her wischen).

Tabellarische Ergebnisse für die Bildschirm-vorlesen-Funktion
Kriterien und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3ASUS Zenfone 6Nokia Lumia 1320
Verfügbarkeit einer Bildschirm-vorlesen-Funktion
LS: 80 % / LV: 50 % / LV-SR: 50 %
++ -- -- --
Bedienung, Aktivierung der Bildschirm-vorlesen-Funktion
LS: 30 % / LV: 50 % / LV-SR: 50 %
++ -- -- --
Resultat für weitsichtige Nutzer (WS) 100 % 0 % 0 % 0 %
Resultat für Zoomvergrößerungs-Nutzer (Z) 100 % 0 % 0 % 0 %
Resultat für Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader (Z-SR) 100 % 0 % 0 % 0 %

Produktgruppen:

Kommentare

Kommentar von Detlef Rödiger |

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schaue immer wieder einmal nach Tests von Smartphones für sehbehinderte Menschen. Ihr Test ist mit viel Aufwand und Akribie erstellt worden, aber er berücksichtigt meiner Meinung nach eine 4 Kategorie von Behinderten nicht, und zwar die, die ein Smartphone nutzen würden, aber total auf Sprachein- und -ausgabe angewiesen wären, da Sie Symbole kaum erkennen können und virtuelle Tastaturen praktisch nicht (mehr) nutzen können. Vielleicht wäre das ja mal eine Option für den nächsten Test?

Mit freundlichen Grüßen

D.Rödiger

Antwort von Detlev Fischer (INCOBS)

Sehr geehrter Herr Rödiger,

Danke für den Hinweis. Sie haben völlig recht. In diesem Fall haben wir die Sprachausgabe nur zusätzlich betrachtet und die Spracheingabe nur beim Diktieren, nicht für die generelle Sprachsteuerung von Funktionen. Diesen Aspekt werden wir in zukünftigen Tests stärker berücksichtigen.

Schöne Grüße,
Detlev Fischer

Einen Kommentar schreiben