Phablets für sehbehinderte und altersweitsichtige Menschen - Überblick

26. Februar 2015

Startbildschirme der vier getesteten Phablets

Phablets – große Smartphones mit Display-Diagonalen von 5 bis 7 Zoll – sind in der letzten Zeit stark im Kommen. Phablets sind für sehbehinderte Nutzer interessant, da ihr Display mehr vergrößerten Text (oder Text in stärkerer Vergrößerung) zeigen kann.

Beim Lesen von vergrößerten Webinhalten oder E-Books auf kleinen Displays entsteht das Problem, dass die häufigen Umbrüche den Text schwer lesbar machen. Bei Phablets können auch bei einer stärkeren Textvergrößerung noch deutlich mehr Worte pro Zeile dargestellt werden, besonders im Querformat. Text kann hier selbst bei einer Größe von 30 bis 40 Punkt noch lesbar sein. Und wenn die Zoomvergrößerung genutzt wird, passen bei einer gegebenen Vergrößerungsstufe mehr Inhalte und mehr Kontext in den sichtbaren Ausschnitt als bei einem kleineren Display.

Phablets können recht teuer sein - besonders Apples iPhone 6 plus, das ohne Vertrag etwa 700 Euro kostet. Aber andere Modelle auf dem Markt sind ziemlich günstig. Das ASUS ZenFone 6 kostet weniger als 300 Euro, das etwas ältere Nokia Lumia 1320 nur noch ca. 230 Euro.

Was haben wir getestet und wie?

Für unseren Test haben wir 4 Phablets mit etwa 6 Zoll großen Displays ausgesucht:

  • Apple iPhone 6 plus mit System iOS 8.1
  • Samsung Galaxy Note 3 mit System Android OS 4.4.2 und der TouchWiz-Skin
  • ASUS ZenFone 6 mit System Android OS 4.3 und der ZenUI-Skin
  • Nokia Lumia 1230 mit System Windows Phone 8.1

Googles von Motorola gebautes Nexus 6 Phablet wäre als Vertreter des unveränderten "Vanilla"-Android ein guter Testteilnehmer gewesen, stand uns aber leider zum Zeitpunkt der Testdurchführung nicht zur Verfügung.

In unserem Test haben wir jene Aspekte nicht berücksichtigt, die für alle Nutzer unabhängig von Sehbehinderungen wichtig sind, zum Beispiel Gesprächsqualität, Speicherplatz, Leistungsfähigeit oder Batterie-Qualität.

Auch die wichtige Frage, wie gut bestückt die App-Stores der jeweiligen Plattform sind, haben wir hier ausgeklammert. Unsere Tests haben uns mehrfach gezeigt, dass Apples iOS-Apps in der Regel deutlich zugänglicher sind als die der Android-Konkurrenz. Bei Windows Phone fehlt mangels deutschsprachigem Screenreader zur Zeit die Zugänglichkeit für (deutsche) Screenreader-Nutzer.

Dreizehn Kategorien

Wir haben die Geräte in dreizehn verschiedenen Kategorien bewertet. Dazu gehören allgemeine Kategorien (physische Eigenschaften, Haptik), funktionale Kategorien (z. B. die Qualität eingebauter Bedienungshilfen wie die Zoomvergrößerung, Kontrastmodi, und, zu einem geringeren Anteil, der Screenreader) und inhaltliche Kategorien wie etwa die wichtigen Standard-Apps E-Mail, Kalender und Browser. Bei diesen berücksichtigten wir wichtige Kriterien wie die Standardtextgröße, Textvergrößerbarkeit, Kontrast oder die Verfügbarkeit screenreader-zugänglicher Benennungen von Bedienelementen. Nähere Angaben zum Testansatz und zum Bewertungsschema finden sich hier: Technische Prüfung von Mobilgeräten – Methodik.

Der Fokus auf den ausgewählten Kategorien bedeutet natürlich nicht, dass andere (z.B. die Zugänglichkeit weiterer wichtiger Apps oder die Nutzbarkeit mit externen Tastaturen) unwichtig wären. Die praktische Brauchbarkeit eines Geräts für Nutzer hängt davon ab, ob jene Aspekte vorhanden und zugänglich sind, die jeweils gebraucht werden. Wer selten im Web unterwegs ist und stattdessen mehr telefoniert, E-Mails liest und beantwortet, den wird nicht stören, wenn der Standard-Browser bestimmte Defizite hat (z.B. Text im Reader-Modus schlecht vergrößern kann, wie auf dem Lumia 1320 Phablet).

Drei Nutzergruppen

In jeder Kategorie haben wir die Geräte für drei unterschiedliche Nutzergruppen bewertet, und zwar mit Gewichtungen, die die unterschiedlichen Anforderungen dieser Gruppen berücksichtigen. Folgende Gruppen haben wir definiert:

  1. Weitsichtige Nutzer (Hyperopie): Nutzer mit leichten Seheinschränkungen (oft ältere Menschen), die größeren Text brauchen, aber selten (und nur, wenn es sein muss) die Zoomvergrößerung nutzen
  2. Zoomvergrößerungs-Nutzer: Nutzer mit stärkeren Sehbehinderungen, die starke Text- oder Zoomvergrößerung brauchen, aber ohne Screenreader (für zusätzliche Sprachausgabe) arbeiten
  3. Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader: Nutzer mit starken Sehbehinderungen, die zusätzlich (fallweise oder ständig) den Screenreader benutzen

Natürlich fallen viele Nutzer irgendwo zwischen diese Gruppen. Außerdem sind bestimmte Beeinträchtigungen, wie etwa Farbenblindheit, in diesen Gruppen unberücksichtigt. Leser sollten die Testergebnisse hinsichtlich jener Kategorien auswerten, die für sie ausschlaggebend sind. Nähere Angaben zur Konzeption von Nutzergruppen finden sich in unserer Mobilgeräte-Testmethodik.

Die detaillierten Ergebnisse für die einzelnen Kategorien finden sich im Testbericht Phablets für sehbehinderte und altersweitsichtige Menschen - Details.

Gruppe 1, weitsichtige Nutzer: Ergebnisse

Für die Gruppe weitsichtiger Nutzer hat das Samsung Galaxy Note 3 mit 62 % die beste Bewertung. Das ASUS ZenFone 6 (58 %) kommt auf den zweiten Platz, fast gleichauf ist das Apple iPhone 6 plus (57 %). Das Schlusslicht in dieser Gruppe mit noch relativ geringem Abstand ist das Nokia Lumia 1320 (55 %).

Im Endergebnis trennen nur 7 Prozentpunkte das bestbewertete vom schlechtestbewerteten Phablet. Bei allen gibt es deutliches Verbesserungspotenzial in verschiedenen Kategorien. Leser sollten sich auch die Ergebnisse der einzelnen Kategorien mit Berücksichtigung ihrer persönlichen Präferenzen genauer ansehen - zu finden auf der Seite Phablets für weitsichtige und sehbehinderte Menschen - Details.

Tabellarische Ergebnisse für weitsichtige Nutzer
Kategorie und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3ASUS ZenFone 6Nokia Lumia 1320
1. Physische Eigenschaften, Haptik (5 %) 88 % 76 % 51 % 61 %
2. Standardtextgröße und Textvergrößerung (25 %) 60 % 68 % 60 % 75 %
3. Kontrastmodi (12 %) 38 % 15 % 15 % 75 %
4. Systemseitige Zoomvergrößerung (3 %) 65 % 44 % 44 % 13 %
5. Startbildschirm (12 %) 45 % 65 % 54 % 49 %
6. Tastenfeld Telefon (2 %) 50 % 100 % 75 % 75 %
7. Virtuelle Tastatur (12 %) 48 % 75 % 78 % 28 %
8. Standard E-Mail App (8 %) 55 % 68 % 65 % 78 %
9. Standard-Kalender (3 %) 31 % 63 % 56 % 28 %
10. Standard-Browser (8 %) 50 % 69 % 86 % 26 %
11. Spracheingabe (8 %) 100 % 83 % 83 % 48 %
12. Screenreader (N.A., 0 %) N.A. N.A. N.A. N.A.
13. Bildschirm-Vorlesen-Funktion (2 %) 100 % 0 % 0 % 0 %
Gesamtergebnis (weitsichtige Nutzer) 57 % 62 % 58 % 55 %

Samsung Galaxy Note 3 (62 %)

Der Sieger in dieser Gruppe, das Samsung Galaxy Note 3, hat gute Standardschriftgrößen und guten Kontrast in den Einstellungen und wichtigen Apps wie E-Mail und Kalender. Das Display ist hell und die physische Home-Taste ist angenehmer zu nutzen als die nicht-taktilen Tasten auf den ASUS- und Nokia-Phablets.

Der Startbildschirm kann nach persönlichen Vorstellungen mit frei platzierbaren Icons und Widgets konfiguriert werden. Die Samsung-Skin TouchWiz hat einen einfachen Modus für Nutzer, die größere Icons und Beschriftungen vorziehen.

Systemseitig kann die Textgröße gut verändert werden; zum Teil kann sie auch innerhalb von Apps eingestellt werden (z.B. in der E-Mail-App). Das Galaxy Note hat auch einen besseren Kalender als das Android-Geschwister in der ASUS-Skin. Der Standard-Browser hat einige gute Features wie einen Nacht-Modus in der Reader-Ansicht. Dieser erlaubt auch eine starke Textvergrößerung mit dynamischem Umbruch. Die Spracheingabe ist nicht so gut wie auf dem iPhone, aber akzeptabel. Eine Bildschirm-vorlesen-Funktion gibt es nicht.

ASUS ZenFone 6 (58 %)

Das ASUS ZenFone 6 hat den besten Standard-Browser der vier getesteten Phablets. Der Startbildschirm ist ebenso konfigurierbar wie der des Samsung Galaxy Note. Im einfachen Modus hat das ASUS-Phablet die größten Icons und die größten Beschriftungen.

Die virtuelle Tastatur ist in visueller Hinsicht die beste mit großen kontrastreichen Tasten und Wortvorschlägen (selbst wenn die Tasten-Buchstaben größer sein könnten).

Es gibt aber auch eine Reihe von Nachteilen. Der Bildschirm des ZenFone 6 könnte sehr viel heller sein - draußen sind Inhalte sicher nicht leicht zu lesen. Es gibt keine Kontrastansicht, nicht einmal die invertierte Ansicht, die das Android-Geschwister Samsung Galaxy Note in seiner TouchWiz-Skin bietet (dafür bietet der ASUS-Standard-Browser eine eigene Farbumkehr-Einstellung). Der Kalender hat ein Zeitauswahl-Bedienelement mit winziger Schrift und schlechten Kontrasten, das dem in Googles "Vanilla"-Android Kalender gleicht. Die Spracherkennungs-Qualität ist durchschnittlich (ununterscheidbar vom Samsung-Phablet) und es gibt keine Bildschirm-vorlesen-Funktion.

Apple iPhone 6 plus (57 %)

Die stärksten Punkte des Apple iPhone 6 plus sind die eingebauten Bedienungshilfen Zoomvergrößerung und Screenreader. Die Zoomvergrößerung ist im Ergebnis für diese Gruppe weitsichtiger Nutzer aber nur sehr geringfügig berücksichtigt, der Screenreader überhaupt nicht.

Das Display des iPhones ist sehr hell, das physische Tastenlayout und die taktile Home-Taste überzeugen mehr als die der Konkurrenz. Das iPhone bietet da, wo die systemseitig einstellbare Systemschriftgröße übernommen wird, gute Textgrößen, etwa im Text einer neuen E-Mail. Der Text vieler Elemente wird allerdings nicht mitvergrößert. Der Reader-Modus des Standard-Browsers Safari bietet eine gute Textvergrößerung bis 20 Punkt, aber keinen Nachtmodus.

Die Spracheingabe schlägt die Konkurrenz hinsichtlich der Qualität der Spracherkennung, der Zeichensetzung und der Groß- und Kleinschreibung. Außerdem gibt es eine leicht nutzbare alternative Sprachausgabe (Bildschirminhalt sprechen) für Menschen, die sich mit dem Screenreader VoiceOver und dem dort völlig anderen Eingabemodus nicht auskennen. Dies kann ein echter Nutzen für angestrengte Augen sein und findet sich nicht bei der Konkurrenz.

Die Nachteile des iPhone sind der Mangel an Konfigurierbarkeit des Startbildschirms, der auch keinen einfachen Modus hat; kleine Standardtextgrößen im Verein mit der Tatsache, dass viele wichtige text-basierte Bedienelemente nicht über die systemseitige Textgrößeneinstellung vergrößert werden können; das im Vergleich schlechteste Telefon-Tastenfeld; viele Bedienemente mit ungenügendem Kontrast und - da wir von Kontrast sprechen - das Fehlen eines echten Kontrastmodus.

Nokia Lumia 1320 (55 %)

Das Nokia Lumia 1320 zeigt seine Stärke, wenn guter Kontrast und eine gute Standardtextgröße in Einstellungen und wichtigen Apps gefragt sind. Es ist außerdem das einzige Gerät mit einem ausgesprochenen Kontrastmodus. Der Startbildschirm kann gut konfiguriert werden, die App-Kacheln lassen sich in verschiedenen Größen darstellen und frei positionieren.

Es gibt allerdings auch eine Reihe von Nachteilen, die das schlechtere Abschneiden erklären. Der Standard-Browser Internet Explorer hat einen Reader-Modus, der Text in einer kleinen Serifenschrift anbietet und sich nicht mit dynamischem Textumbruch vergrößern lässt. (Es gibt allerdings auch für die Windows-Phone-Plattform Browser-Alternativen, die möglicherweise einen flexibleren Reader-Modus bieten - UC Browser, Touch Browser und Maxthon bieten keinen Reader-Modus, bei Maxthon fanden wir einen Nachtmodus mit invertierten Farben.)

Der Windows Phone Kalender enttäuscht mit winzigen Tagesziffern in der Monatsübersicht und kleinen Beschriftungen in der Ereignisansicht, die sich auch nicht über systemseitige Textgrößeneinstellungen vergrößern lassen. Die Spracheingabe ist unterdurchschnittlich: Sie erlaubte auf unserem Testgerät keine Eingaben, die länger als 10 bis 12 Sekunden dauerten (das mag auf einem besser ausgestatteten Gerät wie dem gleich großen Lumia 1520 Phablet besser aussehen). Und es gibt keine Bildschirm-vorlesen-Funktion.

Gruppe 2, Zoomvergrößerungs-Nutzer: Ergebnisse

Diese Nutzergruppe ist dadurch definiert, dass sie stark vergrößerten Text und möglicherweise auch Kontrasteinstellungen benötigt. Die systemseitigen Schriftgrößeneinstellungen reichen in vielen Bereichen nicht aus, die Nutzung der Zoomvergrößerung ist daher unabdingbar und entsprechend hoch gewichtet (20 %). Die Nutzer in dieser Gruppe setzen aber nicht den eingebauten Screenreader ein (dies ist in Nutzergruppe 3 erfasst). Wo vorhanden, profitieren Menschen in dieser Gruppe von einer Bildschirm-vorlesen-Funktion (zur Zeit nur bei Apple/iOS vorhanden). Beim Lesen von Internet-Inhalten nutzt diese Gruppe, wo vorhanden, gern den Reader-Modus des Browsers für stark vergrößerten Text, zum Teil auch mit geänderten Einstellungen (z.B. Nacht-Modus).

In dieser Gruppe liegt das iPhone 6 plus vorn (66 %), gefolgt vom Samsung Galaxy Note 3 (55 %). Das ASUS ZenFone 6 kommt auf den dritten Platz (53 %) und Nokias Lumia 1320 Phablet steht an letzter Stelle (41 %).

Das Ergebnis macht deutlich, dass es aus Sicht sehbehinderter Nutzer bei allen Geräten - selbst dem Sieger - reichlich Verbesserungsbedarf gibt.

Tabellarische Ergebnisse für Zoomvergrößerungs-Nutzer
Kategorie und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3Asus ZenFone 6Nokia Lumia 1320
1. Physische Eigenschaften, Haptik (5 %) 85 % 70 % 50 % 55 %
2. Standardtextgröße und Textvergrößerung (12 %) 53 % 68 % 56 % 68 %
3. Kontrastmodi (10 %) 48 % 30 % 30 % 65 %
4. Systemseitige Zoomvergrößerung (20 %) 73 % 43 % 43 % 19 %
5. Startbildschirm (2 %) 45 % 65 % 54 % 49 %
6. Tastenfeld Telefon (2 %) 50 % 100 % 75 % 75 %
7. Virtuelle Tastatur (10 %) 48 % 75 % 78 % 28 %
8. Standard-E-Mail-App (8 %) 55 % 68 % 65 % 78 %
9. Standard-Kalender(3 %) 31 % 63 % 56 % 28 %
10. Standard-Browser (8 %) 53 % 68 % 90 % 31 %
11. Spracheingabe (10 %) 100 % 83 % 83 % 48 %
12. Screenreader (N.A., 0 %) N.A. N.A. N.A. N.A.
13. Bildschirm-vorlesen-Funktion (10 %) 100 % 0 % 0 % 0%
Gesamtergebnis (Zoomvergrößerungs-Nutzer) 66 % 55 % 53 % 41 %

Apple iPhone 6 plus (66 %)

Apples iPhone 6 plus liegt in dieser Gruppe vor allem wegen der Vorzüge der Zoomvergrößerung, aber auch wegen des Vorhandenseins der Bildschirm-vorlesen-Funktion und der besten Spracheingabe vorn.

Die Vorteile der Zoomvergrößerung liegen nicht so sehr darin, dass hier Extra-Features geboten werden, die bei der Konkurrenz fehlen. Wir haben das permanent sichtbare Zoomvergrößerungs-Kontrollelement, das nur das iPhone zu bieten hat, eher gering gewichtet, da seine praktische Brauchbarkeit erst in Nutzertests erhärtet werden muss.

Auch die Tatsache, dass das iPhone mit der stärksten Vergrößerung (15 x) aufwartet, fällt zumindest auf Phablet-Displays nicht so sehr ins Gewicht - es wird nur wenige Situationen geben, wo eine derart starke Vergrößerung hier noch praktisch brauchbar wäre.

Ein erheblicher Vorteil dagegen ist die Möglichkeit für Nutzer, einzustellen, ob die virtuelle Tastatur mitvergrößert werden soll (wie bei Windows Phone) oder unvergrößert bleibt (wie bei Android). Beide Optionen können wichtig sein: Für einige Nutzer ist die virtuelle Tastatur einfach zu klein für die unvergrößerte Nutzung, für andere dagegen ermöglicht die Option, die Tastatur unvergrößert zu lassen, eine sehr viel schnellere Eingabe. Andere bereits genannte Vorzüge des iPhones sind physische Eigenschaften (hellster Bildschirm, haptische Home-Taste).

In anderen Bereichen ließe sich allerdings vieles verbessern: Viele Textelemente lassen sich nicht über systemseitige Schriftgrößeneinstellungen verbessern, ein Modus mit starken Kontrasten fehlt und in den mitgeprüften Apps sind die Kontraste von Bedienelementen, Beschriftungen und Textfeldvorbelegungen oft nicht ausreichend.

Samsung Galaxy Note 3 (55 %)

Hinsichtlich Standardtextgröße, Konfigurierbarkeit des Starbildschirms und Browser- bzw. Mail-Apps hat Samsungs Galaxy Note 3 die Nase vorn. Aber die Vorzüge von Apples Zoomvergrößerungsfunktion verweisen das Gerät bei dieser Nutzergruppe, die auf den Zoom angewiesen ist, auf den zweiten Platz. Dazu kommt, dass hier keine Bildschirm-sprechen-Funktion geboten wird.

Wie immer zählen aber die jeweiligen konkreten Nutzeranforderungen. Eine Sache, die Android besser macht als Apples iOS, ist der Punktzoom, das nur kurzzeitige Vergrößern über Dreifach-Tippen.

Nutzer, die die virtuelle Tastatur beim Zoomen immer unvergrößert lassen und außerdem glauben, dass ihnen die auf dem iPhone gebotene Bildschirm-vorlesen-Funktion kaum etwas nützt, werden Samsungs Galaxy Note 3 (oder das ähnliche neuere Modell, Galaxy Note 4) vielleicht dem iPhone vorziehen.

ASUS ZenFone 6 (53 %)

Die Gründe für das schlechte Abschneiden von ASUS ZenFone 6 ähneln denen, die für Samsungs Galaxy Note 3 genannt wurden. Was die Zoomvergrößerung angeht, sind die beiden Android-Geräte praktisch identisch.

Verglichen mit dem Samsung-Phablet hat das ASUS-Gerät weniger Textvergrößerungsoptionen, der Bildschirm ist deutlich dunkler und auch andere physische Eigenschaften, vor allem das Fehlen einer haptischen Home-Taste, machen das Gerät für sehbehinderte Nutzer weniger geeignet.

Zoomvergrößerungs-Nutzer, die die virtuelle Tastatur grundsätzlich nicht mitvergrößern wollen, sich mit dem Kalender und dessen schlecht zugänglicher Zeiteinstellung abfinden können (oder ihn durch einen anderen ersetzen) und die Bildschirm-vorlesen-Funktion nicht brauchen, können sich vielleicht für dieses sehr günstige Phablet (es kostet unter 300 Euro) erwärmen: Es hat den besten Standard-Browser, eine gute E-Mail-App, einen gut konfigurierbaren Startbildschirm, für diesen auch einen einfachem Modus, eine gute virtuelle Tastatur (aber nur für die visuelle Nutzung!) und eine aktzeptable Spracheingabe.

Wer glaubt, doch einmal zukünftig den Screenreader dazuschalten zu müssen, sollte um dieses Gerät allerdings einen weiten Bogen machen.

Nokia Lumia 1320 (41 %)

Es gibt einiges, was beim Nokia Lumia 1320 (oder eher bei Windows Phone) gut gefällt: Das einfache Kachel-Interface des Startbildschirms, der große Standardtext in den Einstellungen und die Verfügbarkeit eines echten Kontrast-Modus.

Wenn man allerdings zu den Dingen kommt, die für Zoomvergrößerungs-Nutzer wichtig sind, enttäuscht Windows Phone und bietet weniger als Android und iOS. Die Reaktion auf gestische Eingaben ist vergleichsweise träge und scheint etwas fehleranfällig und Wechsel zwischen Ansichten im gezoomten Zustand verlangen meist eine Neuorientierung (Ausschnitt über ein "Meer aus Schwarz" - oder Weiß - verschieben oder Raus- und wieder Reinzoomen). Eine Punktzoom-Funktion wie bei Android gibt es nicht.

Die Buchstaben der virtuellen Tastatur sind unerklärlicherweise sehr klein, die Spracheingabe ist deutlich die schlechteste und Standard-Apps wie der Kalender bereiten Probleme (sehr kleine, unvergrößerbare Schrift). Im Reader-Modus von Internet Explorer lässt sich Text nicht brauchbar (das heißt, mit Umbruch) vergrößern. Und einen Bildschirm-vorlesen-Modus gibt es auch nicht.

Gruppe 3, Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader: Ergebnisse

Die dritte Nutzergruppe umfasst Zoomvergrößerungsnutzer, die fallweise oder regelmäßig zusätzlich den Screenreader für einen akustischen Output anschalten, zum Beispiel, wenn Texte trotz Vergrößerung noch nicht erkennbar sind oder wenn längere Textpassagen zu mühsam zum visuellen Lesen wären (etwa, weil das ein ständiges horizontales Scrollen erfordern würde). Da der Screenreader in dieser Nutzergruppe häufig nur kurz und fallweise benötigt wird, ist es besonders wichtig, ihn leicht an- und wieder abschalten zu können, wenn möglich, über eine physische Taste.

In dieser Gruppe ist der klare Gewinner wiederum Apples iPhone 6 plus (73 %), gefolgt von Samsungs Galaxy Note 3 (58 %), dem ASUS ZenFone 6 (51 %) und dem Nokia Lumia 1320 (34 %).

In diesem Test wurde die Qualität des Screenreaders nur pauschal in einem Kriterium bewertet. Die Methode, den Screenreader an- und abzuschalten, bildet ein zweites Kriterium. Für die Nutzergruppe blinder Menschen, bei denen alle Interaktionen und Ausgaben ausschließlich über den Screenreader laufen, wäre natürlich eine sehr viel differenzierte Bewertung des Screenreaders erforderlich.

Die Verfügbarkeit screenreaderzugänglicher Beschriftungen von Bedienelementen in den Kategorien der Standard-Apps und bei der virtuellen Tastatur wird in dieser Nutzergruppe nun gewichtet und hat daher auch Auswirkungen auf die Ergebnisse in diesen Kategorien.

Tabellarische Ergebnisse für Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader
Kategorie und GewichtungApple iPhone 6 plusSamsung Galaxy Note 3ASUS ZenFone 6Nokia Lumia 1320
1. Physische Eigenschaften, Haptik (5 %) 85 % 70 % 50 % 55 %
2. Standardtextgröße und Textvergrößerung (8 %) 53 % 68 % 56 % 68 %
3. Kontrastmodi (10 %) 48 % 30 % 30 % 65 %
4. Systemseitige Zoomvergrößerung (20 %) 76 % 41 % 39 % 11 %
5. Startbildschirm (2 %) 58 % 68 % 53 % 40 %
6. Tastenfeld Telefon (2 %) 70 % 100 % 75 % 45 %
7. Virtuelle Tastatur (10 %) 71 % 51 % 43 % 20 %
8. Standard-E-Mail-App (8 %) 60 % 69 % 59 % 69 %
9. Standard-Kalender (3 %) 53 % 60 % 38 % 20 %
10. Standard-Browser (8 %) 58 % 70 % 75 % 26 %
11. Spracheingabe (10 %) 100 % 83 % 83 % 48 %
12. Screenreader (12 %) 100 % 70 % 50 % 0 %
13. Bildschirm-vorlesen-Funktion (2 %) 100 % 0 % 0 % 0 %
Gesamtergebnis (Zoomvergrößerungs-Nutzer mit Screenreader) 73 % 58 % 51 % 34 %

Apple iPhone 6 plus (73 %)

Es überrascht nicht, dass Apples iPhone 6 plus auch in dieser Nutzergruppe den ersten Platz einnimmt, da in ihr nun die Qualität des Screenreaders und die Verfügbarkeit screenreaderzugänglicher Bedienelemente in den Apps gewichtet wird. Auch in dieser Gruppe hat die Zoomvergrößerung mit 20 % das größte Gewicht, der Screenreader trägt 12 % zur Gesamtnote bei. Beide Funktionen sind Stärken des iPhones.

Das iPhone ist das einzige getestete Gerät, das die Zoomvergrößerung mit dem Screenreader VoiceOver integriert: sind beide Funktionen aktiv und fokussierbare Elemente werden mittels Wischgeste durchlaufen, springt der sichtbare Ausschnitt immer so, dass der aktuelle Fokus sichtbar ist.

Anzumerken ist allerdings, das VoiceOver seit dem Update auf iOS 8 fehlerbehaftet ist, wenn der Safari-Browser genutzt wird. Wir können nicht einschätzen, ob und wann dieses Problem in einem zukünftigen Apple-System-Update von iOS behoben wird.

Samsung Galaxy Note 3 (58 %)

Auf Samsungs Galaxy Note 3 können die Zoomvergrößerung und der Screenreader TalkBack zwar gleichzeitig genutzt werden, sind aber nicht integriert wie beim iPhone. Der vergrößerte Ausschnitt wird bei einem über Wischgesten ausgelösten Fokuswechsel nicht wie beim iPhone automatisch versetzt, sondern muss "von Hand" nachgeführt werden.

Andere Probleme für sehbehinderte Nutzer sind die bereits für Nutzergruppe 2 festgestellten: die virtuelle Tastatur kann nicht wahlweise mitvergrößert werden, sondern bleibt immer unvergrößert, und es gibt keine Bildschirm-vorlesen-Funktion.

Die Eingabemethode mittels virtueller Tastatur ist bei eingeschaltetem Screenreader ungünstig: die Auswahl der Taste wird mit Berührungserkundung vorgenommen, die Eingabe des ausgewählten Buchstabens dann durch ein Doppel-Tippen. Die bei "Vanilla"-Android übliche schnellere, direkte Eingabemethode, bei der man beim Abheben des Fingers den Buchstaben schreibt (Touch Typing, bei Apple heißt das Zehnfingersystem), gibt es hier nicht.

ASUS ZenFone 6 (51 %)

Das ASUS ZenFone 6 (oder genauer, die ASUS-Skin ZenUI) ist mit einem schwerwiegenden Problem behaftet: Die virtuelle Tastatur übergibt keine zugänglichen Namen an den Screenreader TalkBack, wenn sie mittels Berührungserkundung abgetastet wird. Das bedeutet, dass Tasten hier nur visuell ausgewählt werden können. Tatsächlich werden die Tasten nach der Eingabe gesprochen, aber "Versuch und Irrtum" ist natürlich keine brauchbare Lösung. Da die Android-Tastatur beim Zoomen nicht mitvergrößert, ist die Sprachausgabe umso wichtiger.

Für die übrigen Punkte (Zoomvergrößerung, Standard-Apps, Spracheingabe, usw.) gelten die bereits für Gruppe 2 ausgeführten Probleme. Wegen der fehlenden Screenreader-Tauglichkeit der virtuellen Tastatur ist das Gerät für diese Nutzergruppe ungeeignet.

Nokia Lumia 1320 (34 %)

Auch Nokias Lumia 1320 ist für diese Nutzergruppe ungeeignet. Der wichtigste Punkt für deutschsprachige Nutzer ist, dass der Screenreader Narrator auf Windows Phone bislang nur in englischer Sprache zur Verfügung steht. Er ist also nur einschaltbar, wenn zuvor die Systemsprache auf Englisch gestellt wurde.

Darüber hinaus gibt es nicht nur eine fehlende Integration von Zoomvergrößerung und Screenreader wie bei Android: die beiden Funktionen können bei Windows Phone nicht gleichzeitig genutzt werden.Wer den Narrator einschaltet, schaltet damit automatisch die Zoomvergrößerung Screen Magnifier ab. Die meisten sonstigen Nachteile von Windows Phone wurden bereits für die Nutzergruppe 1 (weitsichtige Nutzer) und 2 (Zoomvergrößerungs-Nutzer ohne Screenreader) genannt.

Der Screenreader Narrator wirkt ansonsten recht robust. Ist er eingeschaltet, unterstützt die virtuelle Tastatur sowohl geteiltes Tippen als auch Doppel-Tippen und hat auch eine Touch-Typing-Einstellung (Schreiben beim Abheben des Fingers). Die Implementierung wirkt dennoch unausgegoren: Einige Bereiche auf Betriebssystemebene (die Suche) und Elemente in den getesteten Standard-Apps, besonders im Kalender, waren nicht screenreaderzugänglich.

Fazit: Wegen der immer noch fehlenden deutschen Version des Narrators kommt dieses Phablet für diese Nutzergruppe zur Zeit nicht in Betracht.

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