Tablet-Tests mit sehbehinderten Nutzern: Gebrauchstauglichkeit

13. Juni 2014

Ausschnitt iPad-Keyboard in Farbumkehr, unscharf

Die eingeschaltete Zoomvergrößerung hat Auswirkungen auf die Gebrauchstauglichkeit von Tablets für sehbehinderte Nutzer. Andere Aspekte wie mangelnde Kontraste oder fehlende Beschriftungen kommen hinzu. In diesem Artikel beschreiben wir einige bei unseren Nutzertests beobachtete Probleme und schlagen Lösungsansätze vor.

Eine Einführung, die Beschreibung der getesteten Geräte und Hinweise zur Methodik finden Sie im Artikel Tablet-Tests mit sehbehinderten Nutzern: Einleitung.

Gebrauch der virtuellen Tastatur bei Zoomnutzung

Ein oft beobachtetes Problem in den Tests war, dass die Buchstaben auf der virtuellen Tastatur für die sehbehinderten Nutzer zu klein waren. Das Surface Pro 2 und das Asus MemoPad hatten die ohne Vergrößerung am besten erkennbaren virtuellen Tastaturen (mit 17 Punkt großen Tastenbuchstaben). Obwohl nur 15 Punkt groß, waren die Buchstaben der iPad-Tastatur bei eingestellter Fettung ebenfalls vergleichsweise gut lesbar.

Sony Xperia Tablet Tastatur

Abb. 1: Sony Xperia Tablet Tastatur. Die Sony-Tastatur hat mit nur 12 Punkt die kleinsten Buchstaben der getesteten Tablets. Die Tasten bieten Platz für deutlich größere Buchstaben. Die Ausgangsansicht zeigt Kleinbuchstaben.

Asus Memo Pad Tastatur

Abb. 2: ASUS MemoPad Tastatur. Bei etwa gleicher Tastengröße sind die Buchstaben beim ASUS MemoPad mit 17 Punkt deutlich größer als beim Sony-Tablet.

Samsung Galaxy Tab Pro Tastatur

Abb. 3: Samsung Galaxy Tab Pro Tastatur. Die Tasten (schwarz auf hellgrauem Verlauf) sind mit 13 Punkt recht klein. Die Tasten haben eine 3D-Anmutung.

Microsoft Surface Pro 2 Tastatur

Abb. 4: Microsoft Surface Pro 2 Tastatur. Die Tasten beim Surface Pro sind mit 17 Punkt recht groß (gemessen an Großbuchstaben, die Ausgangsansicht zeigt Kleinbuchstaben). Die Buchstaben sind abweichend von den anderen Tastaturen weiß auf dunkelgrau.

iPad 4 Tastatur

Abb. 5: Apple iPad 4 Tastatur. Mit 15 Punkt sind die Buchstaben auf der iPad-Tastatur nicht die größten, sind aber durch den starken Kontrast und die Fettung (Systemeinstellung "Fetter Text" in den Bedienungshilfen) recht gut erkennbar.

Beim Hineinzoomen in Screen-Inhalte gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Android und Windows bzw iOS. Die virtuellen Android-Tastaturen bleiben beim Hineinzoomen unverändert, sie werden nicht vergrößert. Für viele Nutzer waren die unvergrößerten Tasten einfach noch zu klein. Manche gingen mit den Augen sehr nahe an die Tastatur heran, um sie dennoch zu erkennen, andere rieten auf Basis des ihnen vertrauten QWERTZ-Tastaturlayouts.

Beim Hineinzoomen auf dem iPad und ebenso auf dem Surface Pro Tablet vergrößern sich sowohl Screen-Inhalt als auch die virtuelle Tastatur, was aber die Nutzung der Tastatur stark erschwert, da sie nun nur noch teilweise sichtbar ist und zum Schreiben ständig der sichtbare Ausschnitt verschoben werden muss. Die Texteingabe über die virtuelle Tastatur und der Wechsel zum Lesen der gemachten Eingabe an anderer Stelle war für die Nutzer häufig schwierig.

Ein anderes Problem bestand darin, dass zum Teil weniger als die Hälfte des Bildschirms oberhalb der virtuellen Tastatur sichtbar bleibt. Hier punktet das iPad, da das dem Quadrat nähere 4:3-Format deutlich mehr nutzbaren Raum oberhalb der Tastatur übrig lässt als das 5:8-Format der Android Tablets oder das 16:9-Format des Surface Pro.

Lösungsansätze

  • Betriebssysteme bzw. Android-Skins sollten für eine gute Standardgröße und guten Kontrast der Tastenbuchstaben sorgen, damit mehr sehbehinderte Nutzer mit der unvergrößerten Tastatur zurechtkommen. Bei allen untersuchten Geräten wären größere Buchstaben auf den Tasten durchaus drin. Diese könnten natürlich auch eine zusätzliche Konfigurationsmöglichkeit in den Einstellungen für Bedienungshilfen bzw. erleichterte Bedienung sein.
  • Grundsätzlich sinnvoll wäre die Auswahlmöglichkeit in den Settings, ob sich die Tastatur bei Zoomvergrößerung mitvergrößert oder nicht. Dieses Setting sollte möglichst über eien Geste änderbar sein, so dass Nutzer die Tastatur vergrößert oder unvergrößert nutzen können, ohne erst in die Systemeinstellungen gehen zu müssen.  Wer die Tastatur noch erkennen kann, für den hätte eine unvergrößerte Tastatur auch bei iOS und Windows 8 klare Vorteile. Umgekehrt wäre für stark sehbehinderte Android-Nutzer die Möglichkeit, auch die Tastatur zu vergrößern, hilfreich. Apple wird diese Auswahlmöglichkeit in seinem neuesten System iOS 8 anbieten.
  • Helfen würde auch die vergrößerte Anzeige der ausgewählten Taste, wie schon jetzt bei den Smartphone-Versionen von Android und iOS und beim Windows Phone 8 umgesetzt (vergleiche Abb. 6). Dies hilft nicht nur durch die vergrößerte Darstellung. Der ausgewählte Buchstabe wird vor allem oberhalb der Taste sichtbar, die ja selbst durch den Finger verdeckt wird. Dies könnte eine auswählbare Option unter "Bedienungshilfen" sein.

iPhone Tastatur, ausgewählte Taste erscheint vergrößert im Popup

Abb. 6: iPhone-Tastatur: Ein Pop-up zeigt bei Fingerberührung die 9 Punkt großen Tastenbuchstaben auf 200 % vergrößert an (18 Punkt). Bei Android-Smartphones und beim Windows Phone gibt es eine ähnliche Anzeige.

Mangelhafte Kontraste, Kontrastansichten

Viele Kontraste von Bedienelementen sind zu gering. Das betrifft Überschriften, aktivierbare Texte, Textfeld-Beschriftungen und -Vorbelegungen und Schalter, aber die auch Trenn- und Gitterlinien, die bei Nutzung einer vergrößerten Ansicht oft wichtig sind. Bei mangelhaften Kontrasten tut sich besonders das iPad hervor. Wichtige Bedienelemente und Textfeldvorbelegungen, die z.B. bei wichtigen Textfeldern (Kalender-Neueintrag) die einzigen Beschriftungen abgeben, sind extrem kontrastarm (wir maßen 1,65:1, nach WCAG wären erst 4,5:1 ausreichend). Ebenso schlecht sichtbar sind hier nicht ausgewählte Schiebeschalter in Apps und Einstellungen.

Die Standard-Kontraste waren bei Windows 8 und beim Samsung-Tablet noch am besten.

Nur Windows 8 auf dem Surface Pro 2 bietet vom Nutzer auswählbare und voll konfigurierbare Kontrastansichten für Texte und Hintergründe, mit der Möglichkeit, deaktivierten Text und Links in optimierten Farbprofilen abzuspeichern.

Das Samsung-Tablet geht in seiner TouchWiz-Skin über die Optionen in Googles Android hinaus und bietet eine Kontrastumkehr, ebenso das iPad. Die Farbumkehr kann aber einen brauchbaren Kontrastmodus nicht ersetzen, denn schlechte Kontraste bleiben auch in der Farbumkehr schlechte Kontraste.

iPad Kalender in der Kontrastansicht

Abb. 7: iPad-Kalender in der Kontrastansicht. Wichtige Bedienelemente wie "Fertig" erscheinen dunkelgrau auf schwarz und ohne Umrandung. Die Schiebetaste "Ganztägig" und Textfeldvorbelegungen (hier etwa "Ort" unterhalb von "Neues Ereignis") sind ebenfalls kaum erkennbar.

Die Mängel der Farbumkehransicht wurde besonders in einem Test deutlich, bei dem der Nutzer auf dem iPad die Kalender-Aufgaben in Farbumkehr durchzuführen versuchte (vergleiche Abb. 7). Die dünnen kontrastarmen Linien, die das Einblendfenster abgrenzen, und auch die in Grau auf Schwarz kaum erkennbaren Textfeldvorbelegungen und Schalter machten ihm dies unmöglich.

Lösungsansätze

  • Standardmäßig für ausreichende Kontraste bei Bedienelementen sorgen (mindestens 4,5:1)
  • Nicht nur die Farbumkehr, sondern nutzerkonfigurierbare Kontrastansichten bieten (wie Windows 8)
  • Optionen für stark kontrastierende Ansichten von Trennlinien, Fensteraußenlinien und Bedienelementen bieten, so dass diese sowohl in der Ausgangsansicht als auch in der Farbumkehr besser kontrastieren.

Nicht wahrgenommene Kontextänderungen

Hier ist vor allem das Öffnen von Einblendfenstern zu nennen (Neuer Eintrag im Kalender beim iPad, aber auch im Sony-Kalender). Das Einblendfenster zum Anlegen eines neuen Eintrags wird z.B. im Sony nicht als Screen-Wechsel interpretiert – weder wird der vergrößerte Ausschnitt automatisch versetzt, noch wird der Zoom beim Sony-Kalender zurückgesetzt, wie etwa beim Standard Google Kalender, wo der Termineintrag nicht in einem Einblendfenster, sondern auf einem Extra-Screen stattfindet.

Ähnlich beim iPad: hier wird in der Tagesansicht beim Anlegen eines neuen Ereignisses über die sekundäre Geste (Halten) das Einblendfenster außerhalb des sichtbaren Bereiches geöffnet (siehe Abb. 8). Ein Antippen der nun blau hinterlegten Stundenspalte hat keine Auswirkungen. Das Einblendfenster ist ja bereits geöffnet, nur für den Zoomnutzer unsichtbar.

iPad-Kalender, Einblendfenster öffnet außerhalb des sichtbaren Ausschnitts.

Abb. 8: iPad-Kalender, Einblendfenster-Problem. Ein Einblendfenster öffnet bei ca. 250 % Zoomvergrößerung außerhalb des sichtbaren Ausschnitts (hier links oben angezeigt durch Umrandung).

Lösungsansätze

Verschiedene Lösungsansätze sind denkbar, um das Problem von nicht wahrgenommenen Einblendfenstern bei genutztem Zoom zu beheben:

  • Öffnen des Einblendfensters näher am Ort das Auslösens
  • Anderer Designansatz: Neuer Screen statt Einblendfenster
  • Expliziter Hinweis auf das Einblendfenster im sichtbaren Bereich
  • Automatisches Zurücksetzen des Zooms bei Öffnen eines Einblendfensters
  • Automatischer Schwenk des vergrößerten Ausschnitts hin zum Einblendfenster

Welche Lösung im Einzelfall am besten wäre, müsste durch Tests von Prototypen mit Zoom-Nutzern ermittelt werden.

Räumliche Zuordnung von zusammengehörigen Informationselementen

Häufiger treten Probleme bei der Nutzung von Einstellungen mit Zoomvergrößerung auf, wenn es einen unnötig großen Abstand zwischen zusammengehörigen Informationselementen, etwa einem Schalter und dessen Beschriftung, gibt (vergleiche Abb. 9). Hier ist häufig ein Verschieben des Ausschnittes nötig, um den Kontext voll zu erfassen.

WLAN-Schalter zum Teil mit großem Abstand zwischen der Beschriftung und dem Schalter selbst

Abb. 9: WLAN-Schalter iPad, Surface Pro 2, Sony Xperia Tablet (von oben nach unten): Der Abstand zwischen Beschriftung und Schalter ist besonders beim iPad und dem Windows-Tablet unnötig groß: bei Nutzung stärkerer Vergrößerung passen beide nicht mehr gleichzeitig in den vergrößerten Ausschnitt. Bei Windows 8 erschwert das Fehlen von horizontalen Hilfslinien besonders die Zuordnung von Schalter und Beschriftung. Bei Android (hier die Einstellung WLAN auf dem Sony-Tablet) ist der Abstand in der Regel kleiner.

Ein ähnliches Problem ergibt sich bei der Zuordnung von zusammengehörigen Informationselementen in einem vergrößerten Ausschnitt. Oft ist im vergrößerten Ausschnitt des Kontextes nicht so leicht zu erschließen, was zusammengehört. Das Problem zeigt sich etwa bei Termineinträgen in der Kalender-Monatsansicht (vergleiche Abb. 10-12).

Asus Kalendereintrag in der Monatsansicht

Abb. 10: Kalender-Eintrag im ASUS-Kalender in der Zoomvergrößerung, ca. 250 %.

Die Zusammengehörigkeit von Tag und Termineintrag in der Monatsansicht des ASUS-Kalenders wird durch die kontrastarmen Gitterlinien geschaffen (siehe Abb. 10). Die Ansicht entspricht weitgehend derjenigen im Google Nexus Kalender (unverändertes Android).

Asus Kalendereintrag in der Monatsansicht (Rasterlinien entfernt)

Abb. 11: Kalender-Eintrag im ASUS-Kalender in der Zoomvergrößerung, ca. 250 % (Gitterlinien zur Veranschaulichung des Zuordnungsproblems entfernt).

Viele sehbehinderte Nutzer nehmen die dünnen und kontrastarmen Gitterlinien nicht wahr. Abb. 11 zeigt die Monatsansicht mit dem gleichen Termineintrag, nur wurden hier die Gitterlinien zur Veranschaulichung entfernt, um die Wahrnehmung eines sehbehinderten Nutzers zu simulieren. Die rechtsbündige Position der Tages-Ziffer und der linksbündige Termineintrag führen leicht zu einem Zuordnungsfehler: Nutzer assoziierten in den Tests den Termin "Gleitarbeit" mit der näher gelegenen Ziffer 22, nicht mit der zugehörigen Ziffer 23.

Beim Sony-Kalender kommt es zu einem ähnlichen Problem, allerdings sind die Gitterlinien etwas kontrastreicher. Besser gelöst ist die Zuordnung im Samsung-Kalender S-Planner (siehe Abb. 12).

Samsung-Kalendereintrag in der Monatsansicht

Abb. 12: Kalender-Eintrag Samsung. Samsung macht es besser: Sowohl der Terminname als auch die Datums-Ziffer sind linksbündig angeordnet. Auch ohne Sichtbarkeit der Gitterlinien sind beide einander eindeutig zugeordnet.

Lösungsansätze

  • Die Entfernung zwischen zusammengehörigen Informationselementen möglichst gering halten
  • Kontrastreiche Hilfslinien oder Umrisse bieten, um die Zuordnung zu erleichtern
  • Die Einstellung bessererer Kontraste von Hilfslinien und Umrandungen ist ggf. auch als Option in den Einstellungen denkbar.

Mangelnde Fokussichtbarkeit

Oft ist der Cursor (die Texteinfügemarke) für sehbehinderte Nutzer nur schlecht zu erkennen. Wurde er versehentlich gesetzt, etwa in den aus der zu beantwortenden Mail einkopierten Text, wussten Nutzer nicht, wo sie etwas schrieben.

Bei gleichzeitiger Nutzung von Vergrößerung und Screenreader folgt der vergrößerte Ausschnitt nicht dem wandernden Fokus, wenn dieser durch Wischgesten ausgelöst die Seitenelemente durchläuft. Die einzige Ausnahme: das iPad.

Lösungsansätze

  • Cursorgröße, -dicke sowie Farbe und Blinkverhalten einstellbar machen
  • Wie bei iOS 7.1 sollte bei gleichzeitiger Nutzung von Vergrößerung und Screenreader der sichtbare Bereich dem Screenreaderfokus folgen.

Probleme bei der Erkennbarkeit und Interpretation von Elementen (Icons, Bedienelemente)

Manche grafischen Bedienelemente wurden von sehbehinderten Nutzern nicht problemlos erkannt und interpretiert, so etwa die unbeschrifteten Symbole zum Antworten in den Mail-Apps mehrerer Tablets. Einige Nutzer rieten längere Zeit, welche Symbole welche Funktionen auslösen mögen. Die beste Lösung hatte hier der Sony-Kalender, der die Bedienelemente zusätzlich beschriftet (siehe Abb. 13).

Sony-Kalender mit gut beschrifteten Bedienelementen

Abb. 13: Gute Beschriftung der Mail-App-Bedienelemente beim Sony-Tablet.

Ein verwandtes Problem tritt auf, wenn Eingabefelder nur über Textfeldvorbelegungen benannt sind, wie beim Anlegen eines neuen Termins auf dem iPad. Solche Vorbelegungen können durch versehentliche Eingaben schnell verschwinden. Bei Nutzung von Zoom ist zudem weniger Kontext sichtbar, um die Bedeutung des jeweiligen Elements erschließen zu können.

Manche Elemente sind auf allen Tablets sehr verkürzt benannt, so das (+) zum Anlegen eines neuen Termineintrags. Die Bedeutung war für Nutzer mit wenig mobiler Praxis nicht klar. Andererseits hat sich hier inzwischen eine Konvention herausgebildet: es ist bemerkenswert, dass dieses Plus-Zeichen über die Betriebssystemgrenzen hinweg die gleiche Funktion bezeichnet.

Gleiche Funktionen sollten möglichst gleich benannt werden. Hier gibt es zurzeit oft noch keine etablierten Konventionen. So heißt die Enter-Taste zum Auslösen eines Links "Los" (im Chrome-Browser), "Gehe zu" (im Internet Explorer) oder "Öffnen" (im Safari).

Lösungsansätze

  • Zusätzlicher Einsatz von Beschriftungen wie im Sony-Mail-App-Interface (vergl. Abb. 13). Auch das Ausklappen eines Menüs mit expliziten Textbefehlen (Antworten / Allen Antworten / Weiterleiten) wie bei Microsofts Surface-Tablet ist eine Option
  • Alle Texteingabefelder mit verständlichen Beschriftungen / Labeln versehen, nicht nur Textvorbelegung nutzen
  • Eine konventionelle Namensgebung wählen: Kalender "Kalender" nennen (und nicht S-Planner wie Samsung)
  • (Sich entwickelnde) Konventionen für Symbole und Benennungen nutzen, wie etwa das Plus-Symbol für "Neuer Termin".

Nur vorübergehend angezeigte Inhalte

Manche Meldungen der Tablets (etwa "Termin erstellt") werden nur für kurze Zeit eingeblendet und verschwinden dann. Diese Meldungen wurden oft von sehbehinderten Nutzern nicht rechtzeitig gelesen, die Bedeutung musste aus dem Kontext erraten werden.

Lösungsansätze

  • Rückmeldungen als dauerhaft sichtbare und programmatisch lesbare Änderung der Eigenschaften
  • Rückmeldungen über Dialoge, die bestätigt werden (etwa "Termin speichern?" mit den Optionen Speichern oder Verwerfen beim Windows-8-Kalender)

Fazit

Tablets haben sich durchgesetzt und sind auch von sehbehinderten Nutzern zu bedienen. Im Vergleich mit Desktop-PCs haben sie einige große Vorteile, die mit ihren bereits eingebauten Bedienungshilfen und ihrem geringen Gewicht zusammenhängen, besonders für Menschen, die den Bildschirm sehr nah an ihre Augen heranholen wollen.

Viele der oben genannten Gebrauchstauglichkeitsprobleme haben damit zu tun, dass bei Nutzung der Vergrößerung sehr viel weniger Bildschirm-Kontext sichtbar ist. Probleme wie die räumliche Zuordnung von zusammengeghörigen Informatiionselementen und nicht wahrgenommene Kontextänderungen werden erst bei vergößerter Darstellung zu einem schwerwiegenden Problem. Andere Mängel wie schwache Kontraste, das Fehlen aussagekräftiger Beschriftungen oder nur vorübergehensd angezeigte Inhalte können als Probleme der Gebrauchstauglichkeit beschrieben werden, fallen aber gleichzeitig unter die Anforderungen an die Barrierefreiheit, wie sie in den Web Content Accessibility Guidelenes 2.0 beschrieben sind. Unsere Tests haben gezeigt, dass es keine klare Grenze zwischen Gebrauchstauglichkeit und Zugänglichkeit gibt.

Die Verbesserung des Zooms (siehe unseren Artikel zur Zoomvergrößerung) und bessere Schriftvergrößerungsoptionen in den Systemeinstellungen (siehe unseren Artikel zur Einstellbarkeit von Schriftgrößen) würden die Nutzbarkeit von Tablets für sehbehinderte Menschen verbessern. Einige der Vorschläge finden sich in Apples iOS 8 bereits umgesetzt.

Die oben vorgeschlagenen Lösungsansätze würden Probleme der Gebrauchstauglichkeit verringern. Einige sind offensichtlich wünschenswert, andere müssten in probeweise implementiert und in Nutzertests überprüft werden.

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