ViaOpta Nav - Navigations-App für iOS und Android

21. Juli 2015

Im Praxistest haben wir geprüft, ob die Navigations-App ViaOpta Nav (in den Versionen für iOS 8.4 und Android 5.0 für blinde Menschen geeignet ist.

Getestet haben wir ViaOpta Nav 2.0.0 auf iOS 8.4 sowie ViaOpta Nav 2.0.0 auf Android 5.0. Da beide Versionen identisch und vollkommen barrierefrei sind, wird nachstehend nur von ViaOpta Nav gesprochen.

Für blinde Nutzer konzipiert

ViaOpta Nav von der Firma Novartis ist eine speziell für blinde Nutzer konzipierte App mit Routenführung. Der Bildschirm beschränkt sich auf das Nötige, wodurch die App schnell und einfach zu bedienen ist. Nach Doppeltipp auf die Schaltfläche "Neues Ziel" kann eine Zieladresse eingegeben werden. Da es sich um eine reine Fußgänger-App handelt, reicht die Angabe von Straße und Hausnummer. ViaOpta Nav sucht in der Umgebung des aktuellen Standortes und fragt Stadt und Land nicht ab. Wird die Adresse gefunden, kann sie als Favorit gespeichert oder als aktuelles Ziel ausgewählt werden. Nach Doppeltipp auf „Dort hingehen“ können optional Routenpunkte hinzugefügt werden, also Orte, über die die Route verlaufen soll. Nach Doppeltipp auf „Routenüberblick“ wird eine Liste aller Navigationsanweisungen mit Entfernung und Straßennamen angezeigt.

Routen folgen

Nach Doppeltipp auf die Schaltfläche „Navigation starten“ fordert ViaOpta Nav dazu auf, das Smartphone zu drehen, um die Gehrichtung zu ermitteln. Wird das horizontal gehaltene Smartphone lateral gedreht, erfolgt ein Vibrationsstoß, sobald es in die Gehrichtung zeigt. Während der Navigation kann das Gerät jedoch in die Tasche gesteckt werden.

Während der Navigation sagt ViaOpta Nav auf dem Weg liegende Kreuzungen an. Leider werden auch Kreuzungen gemeldet, die den Nutzer nicht betreffen, wenn beispielsweise eine Querstraße nur auf der anderen Straßenseite in die aktuelle Straße mündet. Die zur nächsten Richtungsänderung zurückzulegende Entfernung wird wiederholt angesagt. Bei Richtungsänderungen wird die Straße genannt, in die einzubiegen ist. Wird die Route verlassen, meldet die App, dass die Route verlassen wurde und bietet an, die Route vom aktuellen Standort neu zu berechnen. Dies hilft insbesondere beim Wiederaufnehmen einer Route, nachdem der Nutzer vom Weg abgekommen ist. Diese Funktion kann in den Einstellungen optional auf „Automatisch neu berechnen“ umgestellt werden. Dies ist ortsunkundigen Nutzern jedoch nicht zu empfehlen. Ein Wermutstropfen ist die fehlende Ansage der Straßenseite, auf der sich das Ziel befindet. Gerade für blinde Menschen ist dies wichtig zu wissen.

Standortabfrage und Points of Interest (POI)

Mittels der Schaltfläche „Ihr Standort“ kann die aktuelle Adresse abgefragt und können umliegende POI und Kreuzungen aufgelistet werden. POI werden mit der Entfernung vom aktuellen Standort ausgegeben und nach Entfernung sortiert. Sie können als Routenziel ausgewählt werden. Kreuzungen werden ebenso nach Entfernung sortiert, wobei neben den Straßennamen Richtung und Entfernung angegeben werden. Die Richtung wird als Uhrzeit angegeben und bezieht sich auf die Ausrichtung des Smartphone. Das Gerät sollte horizontal gehalten werden und die Oberkante nach vorne zeigen. Wird das Gerät lateral gedreht, werden die in der entsprechenden Richtung liegenden Kreuzungen automatisch mit Richtung und Entfernung angesagt. So bekommt der Nutzer einen räumlichen Eindruck von seiner Position und kann eine gewünschte Kreuzung leicht ermitteln und ansteuern. Allerdings ist hier keine Auswahl als Ziel, also eine geführte Navigation, möglich. Das Feature eignet sich besonders zur Orientierung an Orten, die von mehreren Kreuzungen umgeben sind, etwa eine große Verkehrsinsel oder ein Platz.

ViaOpta Nav basiert auf Kartenmaterial von Google und TomTom. Die App erfordert eine Internetverbindung.

Fazit

ViaOpta Nav ist für blinde Nutzer konzipiert, aber nicht für sie optimiert. Die fehlende Ansage der Straßenseite, auf der sich das Ziel befindet und die Ansage nicht relevanter Kreuzungen sind bedauerlich. Dennoch ist die App durch ihre einfache Bedienung, die Angabe der Startrichtung und die „Route-verlassen“-Warnung eine wertvolle Navigationshilfe.

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Kommentare

Kommentar von Rufus |

Hallo,

Glückwunsch an Euch zu diesem wichtigen Test!

Auch wenn es auf apfelschule.ch ja schon einmal eine etwas negativere Einschätzung zur Routenführung bei dieser App gab
und auch wenn sie außer den von Euch genannten Schwächen manchmal nicht ganz so präzise ans Ziel führt (mein persönlicher subjektiver Eindruck), so halte ich si trotzdem von der Grundkonzeption für ziemlich zukunftsträchtig. Hoffentlich wird die "Luft nach oben" von den Entwicklern weiterhin gut genutzt... Besonders gespannt bin ich darauf, ob innerhalb der POI-Kategorien die Bereiche wie "Barrierefreiheit" und die Unterkategorie der "Straßenüberquerungen" noch weiter ausgebaut werden. Denn gerade dieser Ansatz scheint mir unter den Navi-Apps ganz neu zu sein, dass man eben auch überhaupt daran denkt, Straßenquerungen mit aufzuführen (selbst wenn man Diese in nächster Zeit vielleicht noch nicht immer so ganz präzise ansteuern kann). Die Suche nach dieser Überquerung als Unterkategorie sollte auch ruhig noch im Artikel ergänzt werden, finde ich. Denn bisher wird Sie überhaupt nicht von Euch im Text als besonders neues Merkmal herausgehoben.

Auch die Anzeige von Leitstreifen innerhalb der Barrierefreiheits-Kategorie solltet Ihr unbedingt noch erwähnen. Leider wird diese Unterkategorie natürlich nur dann angezeigt, wenn auch gerade ein Leitsystem in der Nähe ist (z.B. an der Kölner Straßenhaltestelle Chlodwigplatz). Dass solche Bodenindikatoren inzwischen überhaupt teilweise von Kartographen auf Online-Karten mit erfasst werden, hätte ich doch überhaupt nicht zu hoffen gewagt! Natürlich ist auch Dies alles noch ausbaufähig. Aber schon dass so was endlich mal als Ansatz mit berücksichtig wird, finde ich einen Riesenschritt!

Spannend dürfte es auch mit den Unterkategorien der Bahnhöfe und öffentlichen Haltestellen werden. Zur Zeit kann ich sie alle noch nicht richtig zuordnen. Die Bushaltepositionen usw. scheinen sich teilweise zu ähneln, und im Kölner Stadtgebiet bekomme ich auch Orte angezeigt, bei denen ich mir nicht vorstellen kann, dass dort Busse halten würden (was man aber natürlich als Blinder nicht mal eben nachprüfen kann...). Aber dass auch solche Daten inzwischen vorhanden sind, selbst wenn sie erst mal unvollständig oder vielleicht leider sogar teilweise falsch sein sollten, muss man als Blinder erst mal begrüßen. Bei Apps wie Blindsquare weichen solche Haltestellenangaben manchmal so sehr
manchmal so viele Meter vom tatsächlichen Eingang oder Bahnsteig ab, dass sie Blinden überhaupt nicht nützen. Es sollte versucht werden, die Optanav-Entwickler nach den unterschiedlichen Haltestellenkategorien zu befragen und ob nicht manchmal sogar zu viele Orte dort eingetragen sind, die als vermeintliche ÖPNV-Haltestellen ausgewiesen werden.

Viele Grüße
Rufus

Kommentar von merkst.de |

Ich muss mich wundern: Während unsere Kunden über 500-600 Euro für Mobile Geo ausgeben mussten, ein Kapten Mobility mit alls einen Stärken und hardwareseitigen Schwächen um 500 Euro kostet und ein Trekker Breeze noch darüber liegt, werden "Kleinigkeiten" abgewertet und kein Wort verloren darüber, dass diese App kostenlos ist. Und dass OSM-Kartenmaterial verwendet wird, wie klar in den Nutzungshinweisen zu lesen ist, wird nicht berücksichtigt. Diese kommen bei den POIs zum Einsatz und das Besondere bei OSM ist, dass hier im Gegensatz zu den für den Straßenverkehr optimierten Karten von TomTom (ehem. TeleAtlas), NavTeq und den Google-Erweiterungen hier sogar Überquerungen kartographiert sind. Erwähnung hätte finden sollen, dass je nach Betriebssystem entweder TomTom (iOS) oder Google (Android) genutzt wird, hier wird im Gegensatz zu den POIs auf die native Kartenanwendung zurückgegriffen. Professionell wäre auch der Hinweis, dass während man am iPhone über die Karten-Ansicht die Straßen virtuell ertasten kann, dieses Feature bei Android naturgemäß fehlt. Auch scheint man bei Incobs noch nicht versucht zu haben, eine Route durch eine Unterführung zu planen. Das funktioniert nämlich, nur dumm ist, dass ein Weg durch die Unterführung genommen werden soll, diese aber nicht existiert. Ergo bleibt dem Blinden nichts anderes übrig, als über die Schienen zu laufen, es sei denn er ist ortskundig - die folgende Straße ist nämlich physisch ansonsten nicht erreichbar, das kann hochgradig gefährlich sein. Aber: Das ist Jammern auf hohem Niveau. Diese App ist kostenlos und versaut damit weiterhin blinden Menschen die Möglichkeit, Apps zu entwickeln und zu verkaufen. Sendero bietet eine Blinden-Navi-App für 299 Euro an, BlindSquare als Orientierungshelfer kostet rund 30 Euro, NowNav für Android 33 Euro. Ich hatte zu diesem Thema vor Jahren einen technischen Bericht geschrieben, den die ISCB abgedruckt hat, daher möchte ich die technischen Probleme nicht erneut zusammenfassen.

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